«Die Ernte ist gross»

Theologiestudium statt Karriere gewählt

Stefan Uthayakumar studiert seit September 2016 den Bachelor-Studiengang Kommunikative Theologie am Theologischen Seminar St. Chrischona (tsc). Sein Ziel war es, Karriere zu machen. Doch Gottes Pläne sahen anders aus. Bis Stefan sich schliesslich für ein Theologiestudium entschied, musste Gott einige Zeichen und Wunder geschehen lassen.

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Stefan Uthayakumar
Für mich war lange klar, dass ich nach meinem kaufmännischen Lehrabschluss schnell die Karriereleiter hochklettern möchte. Kirche war für mich Nebensache, ich wollte mein eigenes Ding durchziehen.

Im Winter 2014, ein halbes Jahr vor meinem Lehrabschluss, leitete ich eine Lobpreiszeit bei mir in der Gemeinde. Anschliessend kam der Pastor auf mich zu und meinte: «Gott hat zu mir gesprochen. Du gehörst in den vollzeitlichen Dienst.» Ich dachte zuerst, ich hätte mich verhört. Das war ja ein schönes Kompliment, aber in den vollzeitlichen Dienst gehen? «Das kannst du vergessen!», sagte ich ihm. Der Pastor meinte darauf nur: «Ist ok, ich lass dir Zeit.» Er schien sich seiner Sache sicher zu sein. Ich hingegen legte diesen Ruf kurz danach ad acta.

Wenn Gott ruft...

Es vergingen drei Monate, bis Gott das nächste Mal zu mir sprach. Ich las gerade die Geschichte von der Berufung Abrahams in 1. Mose 12. Irgendwie faszinierte mich die Story. Abraham ging, ohne zu fragen wieso und liess alles zurück. Sofort kam mir der Ruf meines Pastors wieder in den Sinn. Rasch schob ich den Gedanken beiseite. Am darauffolgenden Sonntag kam ein Pastor aus Amerika zu uns in die Gemeinde. Ich staunte nicht schlecht, als er über die Berufung Abrahams predigte und ich dachte: «Ok, Gott. Du scheinst mir tatsächlich etwas sagen zu wollen.»

Kurze Zeit später sass ich im Auto und hörte eine christliche CD meines Vaters. Plötzlich wurde der Bibelvers aus Matthäus 9,37 zitiert, in dem es heisst: «Die Ernte ist gross, aber wenige sind der Arbeiter.» Ich brauchte nicht lange zu überlegen, um zu wissen, dass Gott wieder zu mir sprach.  

Schliesslich kam mein 20. Geburtstag. Ein Pastor aus Kanada war gerade bei uns auf Besuch. Bevor er ging, betete er für mich und gab mir unter anderem die Verse aus Sprüche, Kapitel 3, Vers 5-6 mit auf den Weg: «Verlass dich nicht auf deinen Verstand, sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen». Ja, ich wollte meine eigenen Wege gehen, mein eigenes Ding durchziehen. Doch jetzt war es an der Zeit, dass Gott sein Ding mit mir durchziehen konnte. Meine Entscheidung stand fest: Ich gehe in den vollzeitlichen Dienst.

Von Tamilisch zu Deutsch

Die grösste Herausforderung zu Beginn des Studiums war wohl, dass sich meine ganze geistige Welt bisher in Tamilisch abspielte. Mein Gebet sowie meine Bibellese waren ausschliesslich tamilisch. Die Bibel nun auf Deutsch zu lesen und auf Deutsch zu beten, war eine Sache, aber das Ganze noch auf hohem Niveau zu studieren, stellte für mich eine echte Herausforderung dar. Gott sei Dank habe ich bereits nach drei Monaten in den neuen Modus reingefunden. Von nun an begann das Studium richtig Spass zu machen und war ich fest überzeugt, am richtigen Ort zu sein.

Ich bereue keine Sekunde, meine potenzielle Karriere an den Nagel gehängt zu haben. Was ich in diesem ersten Studienjahr an geistlicher Reife gewonnen habe, lässt sich kaum überbieten. Ja, ich habe richtig Feuer gefangen für Gottes Wort. Die Merkverse (es waren deren 70) sind mittlerweile zu meinen täglichen Begleitern geworden. Wo ich auch hingehe, welche Situationen ich auch antreffe, das Wort Gottes lebt in mir und der Heilige Geist spricht ständig zu mir.

Die Ernte ist gross – und ich bin ein Arbeiter

In der Schweiz leben rund 30'000 Tamilen, davon sind ca. 20-30 Prozent Christen. Das ergibt ein Erntefeld von mindestens 24'000 Menschen. Meine Vision ist es, die jungen Tamilen in der Schweiz zu erreichen. Zudem möchte ich der Schweiz wieder zu ihren geistigen Wurzeln verhelfen. Es ist für mich erschreckend zu sehen, wie dieses wunderbare Land seinen Heiland immer mehr vergisst. Erst vor kurzem war ich auf einer Bergspitze. Anstatt eines Kreuzes war da ein Hindu-Gott ausgestellt, der vom Staat finanziert wurde. Hier möchte ich gegensteuern und das Kreuz überall wiederaufrichten, wo es abgerissen wurde.

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Datum: 01.09.2017
Autor: Simon Baum
Quelle: Chrischona Panorama

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