Gut genug?

Was Gott über mich denkt

Von Klein auf bemüht sich Debora Grünenwald um Anerkennung. Auch bei Gott möchte sie alles richtig machen, bis sie frustriert feststellt: Sie kann nicht genügen. Doch nach und nach spricht Gott zu ihr. Und seine Botschaft ist ganz anders.

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Debora Grünenwald
Obschon ich in einem christlichen Zuhause aufwuchs und die Prinzipien Gottes gelehrt wurden, war ich innerlich nicht frei. Vielmehr hatte ich das Gefühl, immer allen alles recht machen zu müssen. Eigene Bedürfnisse kannte ich kaum.

Das kam davon, dass ich als viertes von acht Kindern nach Anerkennung und Liebe suchte. In der Familie fand ich meine Nische, indem ich mich anpasste und hilfsbereit wurde. Bald war ich sehr sensibel dafür, was andere brauchten.

Die Bemühung gut genug zu sein

Mein Gottesbild wurde durch eine Gemeinde geprägt, in der viele Gesetze gepredigt wurden, die es einzuhalten galt. Und so prägte sich bei mir ein Bild von Gott und Menschen ein, das immer an Leistung geknüpft war.

Der Druck, diesem vorgegebenen Standard zu genügen, war immens. Bei meinen Lebensbemühungen ging es vor allem darum, andere zufrieden zu stellen, damit ich im Gegenzug Annahme und Anerkennung von ihnen bekam. Gefühle, die ich selber nicht ausdrücken konnte und Bedürfnisse, die ich scheinbar nicht haben durfte, versuchte ich durch andere zu leben. Auch von Gott fühlte ich mich nur dann angenommen und geliebt, wenn ich mein Leben einigermassen auf die Reihe kriegte.

Schritte im Glauben

Dennoch erlebte ich über alle Jahre meines Lebens konstant Veränderung in meiner Beziehung zu Gott. Als erstes forderte er mich heraus, ihm als liebenden Vater zu vertrauen. Er würde mich nicht mutwillig in Schlechtes reinlaufen lassen.

Später erlebte ich, durch das Kennenlernen und Annehmen des Heiligen Geistes als göttliche Realität, eine sehr wichtige Befreiung von der Angst, verloren zu gehen. Dies ermöglichte mir einen neuen Zugang zu Gott. Die mir gepredigten Gesetze lernte ich differenzierter zu betrachten.

Vor allem durch echte Freundschaften, die in den letzten Jahren entstanden sind, aber auch durch Seelsorge fand ich den Weg zu meinem Herzen. Gott deckte ganz sachte meine versteckten Lebenslügen und mein falsches Gottesbild auf.

Die Fassade bröckelt

Der Weg führte mich nach unten, an den Punkt, an dem ich glaubte, nicht mehr weiterleben zu können. Ich musste anerkennen, dass ich selbst nicht genüge. Dass ich trotz aller Bemühungen nicht fehlerlos werden würde. Ich schämte mich enorm für meine Beschränktheit, hatte aber keine Kraft mehr, etwas anderes darzustellen.

Ich musste mein «Schwachsein» zugeben. Doch dann erlebte ich, dass weder meine Freunde noch Gott an einer schönen Fassade interessiert waren. Vielmehr wollten sie wissen, wie ich wirklich bin. Ich entschied mich gegen meine Angst vor Ablehnung und vertraute mich ihnen an. Zum ersten Mal erlebte ich, dass ich trotz Fehlern angenommen wurde.

Ich darf ich sein!

Die Erfahrung von Gottes bedingungsloser Liebe war überwältigend. Und so traute ich mich mehr und mehr. Anstatt mich erst vollkommen abzusichern, ob mein Gegenüber wirklich Interesse an mir hat, wagte ich Schritte aus mir heraus und erzählte aus meinem Ergehen.

Ich erlebte, dass andere anfingen, ihr Herz zu öffnen, weil ich zu meinen Schwächen stand. Wenn ich in meinen Augen versagt hatte, weil ich im Gespräch mit jemand nicht sensibel genug war, entschied ich mich, dies bei Gott zu deponieren und darauf zu vertrauen, dass es unsere Beziehung nicht zerstören würde.

Gott findet mich gut

Zu wissen, dass es durch Jesus kein Scheitern mehr vor Gott gibt, war befreiend. Seine Liebe hilft mir auszuleben, was er als Potenzial in mich hinein gelegt hat. Er erwartet nicht mehr von mir, als ich habe. Ich lerne immer mehr, die Verantwortung in seine Hände zu legen und ihm zu vertrauen. Ich erlebe, wie Beziehungen zwar geprüft werden, aber in die Tiefe wachsen.

Eine neue Freiheit hat meiner inneren Verkrampftheit Platz gemacht. Ich geniesse es, mich nicht mehr konstant messen, vergleichen und anpassen zu müssen. Ich habe meinen Platz gefunden: nah am Herzen Gottes.

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Datum: 27.10.2015
Autor: Miriam Hinrichs
Quelle: Jesus.ch / mystory.me

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