Astronaut Reinhold Ewald

Auch im Weltraum war Gott da

Er war der neunte deutsche Astronaut im All. Fast drei Wochen lang verbrachte Reinhold Ewald an Bord der russischen Raumstation «MIR». Und obwohl Ewald im Himmel Gott nicht persönlich sah, wusste er: Auch hier ist Gott da!

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Reinhold Ewald

Nie vergesse ich unseren Start in der russischen Sojus-Rakete am 10. Februar 1997. Wir Kosmonauten sind eingebettet in mehrere Hüllen, sitzen mit geschlossenen Helmen, hören nur das Rauschen der Frischluft-Ventilatoren, spüren die enorme Schwerkraft. Das Zünden der Triebwerke ist nur ein entferntes Grollen.

Zum ersten Mal im Weltall

Obwohl ich Physik studiert habe und eigentlich immer von der Erde aus rausgeguckt habe in entfernte Molekül-Wolken, in die Stern-Entstehungsgebiete, haben wir jetzt auf die Erde zurück geguckt. Das war bei weitem der attraktive, anziehende Blick, denn wir flogen in der Raumstation in 90 Minuten einmal um die Welt. Wir sahen den Tag über, die 24 Stunden über, unterschiedliche Gegenden der Erde – und dieser Blick war so faszinierend, auch immer wieder anders, dass man sich gar nicht genug am Fenster aufhalten konnte.

Wir sahen auf der Erde eine Oase in Blau und Weiss, wir wussten um die Lebensbedingungen. Es gab abends oft Stunden wo wir zusammen kamen und uns die Polarlichter gezeigt haben oder einfach Dinge, die man kaum mit einer Kamera widergeben kann, die einen aber menschlich sehr berühren.

Wohnt Gott im Himmel?

Wenn man himmelwärts fliegt, kann man dort nicht den mythologischen Himmel finden. Dafür eine schwarze Leere, gesprenkelt mit dem ungetrübten Licht der Sterne.

Der erste Kosmonaut, Juri Gagarin, sagte, er habe Gott im Weltraum nicht gesehen. Aber das habe ich als Christ auch nicht erwartet. Trotzdem war Gott da. Während unseres Fluges und den 18 Tagen auf der Raumstation MIR habe ich immer wieder Dankbarkeit empfunden gegenüber Gott. Wir hatten kritische Situationen, in denen ich allen Grund dazu hatte. Zum Beispiel brach einmal an Bord ein Feuer aus, das zum Glück schnell gelöscht werden konnte. Wenn die kritische Situation vorbei ist, kommt man auf diesen Gedanken: Jemand hat dir beigestanden. Da ist Dankbarkeit, dass ich das alles erleben und überleben durfte.

Wie fühlt man sich als Mensch im All?

Ich fühlte mich besonders klein – das ist gar keine Frage. Das Aufgehängtsein im All, da ist ja keine Strasse, keine Schienen, sondern wir sind rein ein Spiel der Kräfte. Und wenn wir diese Kräfte falsch berechnen, dann verlieren wir uns auf Nimmerwiedersehen im All. Diese Dinge kommen einem sehr kontrastreich zur Besinnung.

Denn dieser Kontrast: bis dahin ist es nichts, ist es Schwärze, ist es Vakuum, ist es strahlungserfüllte Leere und dann kommt die Atmosphäre – diese Kontraste machen einen schon bescheiden und klein.

In den Stahlröhren der Raumstation mit ihren kleinen Bullaugen ist nicht viel Besinnlichkeit angesagt. Als Physiker bin ich es auch nicht gewohnt, dass gross über Religion diskutiert wird. Aber der Blick zurück zur Erde bringt einen zum Nachdenken. Er lässt einen nicht kalt. Ich musste an die biblische Geschichte denken, wie Gott die Welt schuf. Und im Psalm 139 heisst es: «Stiege ich zum Himmel empor, so bist Du, Gott, zugegen.»

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Autor: Miriam Hinrichs
Quelle: Wdr5.de / sonntag-sachsen.de

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