Daniel M.

Die Kontrolle verloren

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Daniel M.* und ein Mitarbeiter der Heilsarmee (Bild: © Heilsarmee Schweiz)
Daniel M.* hatte vieles erreicht in seinem Leben – einen tollen Beruf, ein gutes Gehalt, eine schöne Wohnung. Doch irgendwann verlor er die Kontrolle in seinem Leben und suchte den Rausch, bis er alles verlor und in einer Notschlafstelle landete...

Während der Corona-Zeit fand Daniel M. (Zum Schutz der Privatsphäre wurde der Name geändert und eine andere Person abgebildet) Unterschlupf bei der Heilsarmee in Steffisburg bei Thun. In der speziell eröffneten Notschlafstelle konnte er sein Leben umkrempeln. Im Magazin der Heilsarmee Schweiz erzählte er seine ganze Geschichte, die Livenet hier ebenfalls publiziert:

Eigentlich fehlte es mir an nichts. Meinen Beruf als Oberstufenlehrer liebte ich. Ich verdiente gut und konnte meine Junggesellenbude ganz nach meinem Geschmack einrichten. An den Wochenenden war immer Party mit Freunden angesagt und ich nutzte jede Gelegenheit, in der Welt herumzureisen.

Das Leben ist eine Party

Mich festbinden, heiraten und eine Familie gründen wollte ich nie. Dafür liebte ich mein ungebundenes Leben zu sehr. Das Leben war für mich eine nie endende Party und alles in mir verlangte danach. Aber ein Partyleben birgt auch seine Gefahren. Der Alkohol floss in Strömen und je später der Abend wurde, desto mehr. Eine Zigarette folgte auf die andere. Neugier und «Gruppenzwang» verführten mich schliesslich zum Drogenkonsum. Ich wurde abhängig.

Ein Leben im Rausch ist jedoch sehr teuer. Aber ich hatte ja ein gutes Einkommen und konnte es mir leisten – glaubte ich zumindest. Der Alkohol- und Drogenkonsum wurde stärker und nahm immer mehr Einfluss auf meine Arbeit. Irgendwann konnte ich meine Vorbildrolle und Verantwortung nicht mehr wahrnehmen und wurde für meinen Arbeitgeber zur Belastung. So wurde mir gekündigt.

Das Unglück nimmt seinen Lauf

Das war mir gleichgültig. Ich fühlte mich gut und merkte nicht, wie mein Leben ausser Kontrolle geriet. Dann waren meine ganzen Ersparnisse weg. Ich hatte keinen Rappen mehr, konnte die Miete nicht mehr bezahlen und musste die Wohnung aufgeben. Überhaupt verlor ich alles. Da stand ich nun – völlig mittellos, ohne Dach über dem Kopf und ganz allein. Ein quälendes Gefühl in meiner hoffnungslosen Lage. Niemanden zu haben, der mich stützt oder versucht, mit mir auf die belastenden Fragen eine Antwort zu finden.

In meiner Not blieb mir nur der Gang zum Sozialamt. Dann kam Corona und meine Situation verschlechterte sich zusätzlich. Ich hatte keine andere Wahl, als in eine Notschlafstelle zu gehen. In der extra während der Pandemie-Zeit von der Heilsarmee eröffneten Notschlafstelle in Steffisburg fand ich Zuflucht. Hier wurde mir bewusst, wie tief ich durch die Sucht gesunken war.

Ein neues Leben

Durch das ansteckende Virus konnte ich die Notschlafstelle nicht verlassen, um Alkohol und Drogen zu kaufen. Im Haus selbst herrscht striktes Suchtmittelverbot. Zum Glück, denn das rettete mir das Leben. Hier lernte ich Menschen kennen, die bereit waren, zuzuhören und mir zu helfen. Ich war nicht länger auf mich allein gestellt.

Mit der Unterstützung der Heilsarmee-Mitarbeitenden habe ich mein Leben umgekrempelt. Ich habe mich auch mit der Bibel auseinandergesetzt. Inspiriert durch das Leben von Jesus, nahm ich mein Leben wieder in die eigenen Hände. Ich werde mir wieder eine eigene Wohnung suchen! Ich war am Boden und hatte nichts mehr: keine finanziellen Mittel, keine Wohnung, keine Perspektive. Für die Hilfe in meiner höchsten Not und für meine neu gewonnene Lebenseinstellung bin ich der Heilsarmee und ihren Mitarbeitenden sehr dankbar.»

Dieser Text erschien zuerst im Magazin der Heilsarmee Schweiz.

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Datum: 25.05.2021
Quelle: Heilsarmee Schweiz

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