In der Opioidabhängigkeit

«Satan oder Gott: Wer mächtiger ist, soll mich töten»

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«Ich war eine Sklavin der Opioide, die mein ganzes Leben ruiniert haben», erinnert sich Deanna McFarlin. Ihre Sucht nahm erst in späteren Jahren ihren Lauf: «Es begann, als ich 30 Jahre alt war und mein Arzt mir nach einem Autounfall Hydrocodon verschrieb…» 

Das verschriebene Medikament war «ein generisches Opioid aus Vicodin und Tylenol. Denn nach dem Autounfall wurde auf einem Röntgenbild bemerkt, dass ich einen angeborenen Defekt im unteren Rückenbereich hatte. Durch den Unfall verschlimmerte sich die Lage.» Sie litt unter lähmenden Schmerzen.

«Ursprünglich nahm ich abends vor dem Schlafengehen nur eine Tablette. Auf meinem Rezept stand, dass ich je nach Bedarf bis zu zwei Tabletten pro Tag einnehmen konnte.»

Nach drei Monaten war Deanna McFarlin bei dreimal zwei Tabelleten pro Tag angelangt… «Als die Opioide durch meine Venen strömten, fühlte ich mich unbesiegbar. Sie machten mir nicht nur meine Doppelschichten als geriatrische Stationsschwester erträglich – ich war verantwortlich für 30 Patienten und Schwesternhelferinnen –, sondern sie halfen mir auch, den Stress in meinem Job zwischen 6 und 22 Uhr zu bewältigen.»

Plötzlich kriminell

Die Dosis stieg: Nach eineinhalb Jahren erreichte sie viermal täglich sechs Hydrocodon-Tabletten. «Ich wurde immer unberechenbarer, unhöflicher und unbeherrschter.» Manische Stimmungsschwankungen stellten sich ein.

Mit der Zeit stahl sie Opioide aus dem Pflegeheim, in dem sie angestellt war. «Ich behauptete, ich hätte den Patienten die Medikamente gegeben, obwohl ich sie in Wirklichkeit eingesteckt hatte.»

Oder Hydrocodon-Tabletten, die nahe dem Ablaufdatum waren, steckte sie ein, statt sie zum Vernichten zu geben. «Und ich war so sehr von meiner Opioidabhängigkeit versklavt, dass ich meinem geliebten Vater sogar 800 Dollar gestohlen habe, indem ich Schecks einlöste und die Tabletten für 5 Dollar pro Tablette auf der Strasse kaufte. Mein Leben wurde zu einem Teufelskreis aus Diebstahl, Drogenkonsum und unregelmässigem Verhalten.» Mehrmals dachte sie an Selbstmord.

«Satan oder Gott, wer mächtiger ist, soll mich töten!»

Schliesslich wurde sie in ihrer Einrichtung erwischt und angezeigt. «Ich wurde im Februar 2009 verhaftet. Schliesslich gab ich meine Krankenschwesterlizenz ab, bekannte mich schuldig, bekam zehn Jahre auf Bewährung und wurde für 15 Monate eingesperrt.»

Doch ihr Körper verlangte nach dem High und gleich nach der Entlassung geriet sie wieder in den Bann der Suchtmittel. Ein paar Monate lang nahm sie Kokain.

«Am 24. April 2013 lag ich in einer dunklen Wohnung und mir lief Blut aus der Nase. Als die Sonne aufging, schrie ich: 'Satan oder Gott, wer immer mächtiger ist – ich wünsche nur, dass du mich jetzt sofort tötest.'» Sie war entschieden, sich umzubringen…

Gott schickt Lebensretter

Aber Gott verschonte ihr Leben. «Er schickte einen Polizisten, um mich vor mir selbst zu retten. Als ich die blinkenden roten und blauen Lichter in meinem Rückspiegel sah, zog ich zwei Oxycodone aus meinem BH, schluckte sie herunter und zündete mir eine Zigarette an. Nachdem ich wegen abgelaufener Nummernschilder und Registrierung angehalten worden war, sass ich bald darauf hinten im Polizeiauto auf dem Weg ins Gefängnis.»

Die Tränen rollten ihr die Wangen herunter. Sie sagte zum Ordnungshüter: «Ich bin es leid, ein Junkie zu sein. Ich habe alles verloren: meinen gut bezahlten Job als Stationsschwester; die Beziehungen zu denen, die ich am meisten liebe. Ich habe gerade ein paar Oxycodone genommen, die ich eigentlich gar nicht will. Und ich habe Hunger.» Der Polizist hörte mitfühlend zu.

Ein Geschenk von Gott

Dann erfolgte der Entscheid für ein Reha-Programm. Zwei Dinge machten den Unterschied: Sie war es leid, krank und müde zu sein. Und zweitens willigte ihr Vater ein, für das durch Schecks gestohlene Geld aufzukommen (eine Anklage stand bereits im Raum), wenn sie es ihm später zurückzahlen würde und wenn sie an einem sechsmonatigen, christlichen Reha-Programm teilnehmen würde.

«Es war genau das Gottesgeschenk, das ich brauchte. Die Christen liebten mich, obwohl ich nicht liebenswert war», erinnert sie sich. Sie war misstrauisch. «Ich dachte mir: 'Entweder sind diese Leute verrückt, oder sie sind wirklich so. Und vielleicht komme ich dann nüchtern aus diesem Ort heraus und bleibe nüchtern.'»

Von Jesus verändert

Im Laufe der Wochen lernte sie Jesus Christus persönlich kennen. «Ich stellte mir vor, dass mein Herz viele Türen hat. Egal wie schrecklich oder beschämend, ich beschloss, jede Tür für Jesus zu öffnen. Ich wollte, dass er meine Sünde in all ihrer Hässlichkeit sieht. Und ich brauchte ihn, damit er sie wegnimmt, zusammen mit meiner lähmenden Schuld und Scham.»

Denn die Probleme waren zu einer unerträglichen Last geworden. «Ich sagte ihm: 'Ich ergebe mich. Ich bin es leid, wegzulaufen. Ich erkenne meine Sünde und ich gebe sie zu. Ich kann sie nicht mehr tragen. Ich muss mich von dir helfen lassen.»

Jetzt hilft sie anderen

Heute arbeitet sie genau in der Strafanstalt für Drogenmissbrauch in Winnsboro, Texas, in der sie einst selbst im Gefängnis sass – als Suchtberaterin. Durch ihre Lebensgeschichte erreicht sie abgestumpfte Gefangene. «Sie sind zunächst genauso verblüfft wie ich einst war, dass sich jemand um sie kümmert. Tatsächlich schrieb mir kürzlich ein Gefangener auf einen Zettel: 'Sie waren wie jemand, der in ein dunkles Haus kam und anfing, das Licht anzuschalten.'»

Deanna McFarlin: «Ich wage zu behaupten, dass mich diese Worte der Ermutigung mit grösserer, echter Euphorie erfüllen als es meine chemischen Opioide je erreicht haben!»

Amerikas Kirchen müssen den zwei Millionen Opioidabhängigen helfen, fordert Deanna McFarlin. «Zwischen 1999 und 2017 starben mehr als 700’000 Amerikaner an einer Drogenüberdosis.»

Sucht ist wie ein brüllender Löwe

Sie sei begeistert, dass sich vor drei Jahren Pastoren und Fachleute unter der Leitung von Pastor Ron Smedley zusammengetan haben, um den «Recovery Sunday» immer am vierten Sonntag vom Septembers zu starten.

«Sucht nimmt keine Rücksicht auf Personen. Unabhängig von Rasse, Geschlecht oder wirtschaftlichem Status schleicht Satan wie ein brüllender Löwe umher und sucht jemanden, irgendjemanden, den er verschlingen kann.»

Weiter hält Deanna McFarlin fest: «Lassen Sie sich das von einer Frau sagen, die einen gut bezahlten Job als Stationsschwester verloren hat, die einen Haushalt mit neuen Möbeln für 400 Dollar verkauft hat und die ihre engsten Beziehungen beschädigt hat. In Ihrer Kirche sitzen jede Woche Menschen in Ihrer Kirchenbank, die gegen Dämonen kämpfen, die Sie sich in Ihrem schlimmsten Alptraum nicht einmal ansatzweise vorstellen können. Werfen Sie ihnen die Rettungsleine der Christus-zentrierten Genesung zu.» Denn es gelte Johannes, Kapitel 8, Vers 36: «Wenn euch also der Sohn Gottes befreit, dann seid ihr wirklich frei.»

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Datum: 30.09.2020
Autor: Deanna McFarlin / Daniel Gerber
Quelle: Christian Post / gekürzte Übersetzung: Livenet

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