Cicoff the Jester

Einen guten Draht zum König

Im Raum ist es mäuschenstill. Gebannt schauen alle Augen auf Cicoff. Er spricht nichts. Geht durch die Reihen. Grüsst. Setzt sich auf einen leeren Stuhl und wartet. Er lächelt. Ich fotografiere. Warten. «Soll ich auf die Bühne?»

Er spricht nichts, fragt nur mit den Augen und Händen. «Ja!» die Zuschauer sind sich einig. Cicoff geht. Nimmt seinen Koffer mit. Zu schwer. Cicoff braucht Hilfe aus dem Publikum. Sorgfältig dirigiert er den Helfer. Der Koffer muss aufs Podest. Geschafft. Applaus. Ein dankendes Lächeln. Bälle. Drei. Rot. Blau. Gelb.

Cicoff erzählt die Geschichte des Jona

Der wollte nach Spanien. Der Auftrag von Gott war ihm zu viel. - Sturm. Wach auf! Jona war ungehorsam. Er wird ins Meer geworfen. Die Hände tasten sich durch den Bauch. Ein Sprung. Ausgespuckt. Nach Ninive? Gottes Gericht predigen? Jona geht. Die Menschen verstehen. Sie kehren um. Beten zu Gott. Ändern ihr Leben. Gott rettet die Stadt. Jona versteht Gott nicht mehr. Warum vernichtet er die Stadt nicht? Er musste doch Gericht predigen. Gott liebt die Menschen - Alle!

Drei Tage später:

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Cicoff the Jester
Cicoff erzählt mir, wie es kam, dass er als Schweizer in Amerika zur Welt kam, dann doch in der Schweiz aufwuchs und heute wieder in Amerika lebt. Sein Vater war zur Zeit seiner Geburt in den USA tätig. Dann kam er zurück. Cicoff - eigentlich heisst er Christoph Zürcher - reiste vor sieben Jahren wieder übers grosse Meer. Er wollte sich artistisch ausbilden, vielseitig: Mime. Jonglieren. Schauspiel. Stimme. Tanz. Ausdruck. Charakterinterpretation. Während des Studiums lernte er seine Frau Barbara kennen. Seit einigen Wochen sind sie eine Familie. Cicoff ist seit zwei Jahren in Amerika als Jester unterwegs. Er unterhält. Er bringt Dinge auf den Punkt. Er spiegelt das Leben und zeigt, was Gott und Mensch verbindet.

Hofnarr ist keine übliche Rolle. Wie kamst du dazu, Jester zu werden?
Für unsere erste Aufführung gab mir der Lehrer die Rolle des Jesters. Ich wusste nicht einmal, was ein Jester ist. Aber weil ich jonglieren konnte, schien ich dafür geeignet. Erst viel später entdeckte ich den Charakter des Jesters wieder und merkte: Der passt zu mir.

Du hast dich nun intensiv mit dem Jester auseinandergesetzt. Was ist ein Jester?
Er ist ein Kommunikator und Illustrator. Am Hof musste er Neuigkeiten weitergeben, die Wahrheit sagen. Er hatte oft grossen Einfluss. Könige trafen oft Entscheidungen aufgrund des Rates ihres Jesters. Jester waren Berater mit besonderem Stil. Sie hatten Scharfsinn und Humor zugleich.

Jester dienen einem König. Wer ist dein König?
Mein König ist Jesus Christus. Ich habe den höchsten König und mein König lebt noch.

Berätst du ihn?
'Gar nöd!' Ich lerne von meinem König! Ich lerne sehr viel von ihm. Mein König sagt oft zu mir: "Nun hast du das gut gespielt. Jetzt musst du es auch selber so ausüben." - Nein, ich muss meinen König nicht beraten.

Wen berätst du dann?
Beraten? Ich denke nicht, dass ich berate. Ich zeige auf. Ich kommuniziere. Ich bin nicht besser. Ich weiss nicht mehr. Ich will aufzeigen, was Gott mir aufs Herz legt. Ohne Gottes Führung habe ich nicht viel zu sagen.

Besteht ein starker Zusammenhang zwischen deinem Programm und deinem Leben?
Ja, sehr. Gerade das Thema auf Gott hören! Ich habe lange gehorcht. Meine Eltern erzogen uns christlich. Ich besuchte die Sonntagsschule. Aber dann machte ich lange Zeit, was mir passte. Ich war ein Rebell. Gott muss immer wieder zu mir sprechen. Er dreht den Spiegel oft zu mir - manchmal sogar während ich spiele.

Konkreter. Was hat dir Gott gezeigt?
Den Kreislauf der Sünde, den ich mit den Bällen aufzeige. Plötzlich habe ich gemerkt: Es geht nicht nur um die Tat. Es geht auch um die Gedanken. Pflege ich die negativen Gedanken? Habe ich eine abschätzige Haltung gegenüber meinen Mitmenschen? Gott will auch meine Gedanken korrigieren. Konkret. Täglich.

Wie kamst du dazu, dich artistisch ausbilden zu lassen?

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Ich wollte zuerst nur mimen. Das gefiel mir. Ich musste nicht sprechen. Das fand ich toll. Aber alles faszinierte mich: Theater, Clownrollen. Schon als Kind wollte ich Clown werden. Ich bin ein körperlich aktiver Mensch. Ich muss mich bewegen. Ich kann nicht nur sitzen und reden. Auch das Ungewöhnliche hat eine anziehende Kraft auf mich. Heute bin ich glücklich, dass ich so vielseitig sein kann.

Du predigst eigentlich den ganzen Abend lang.
Am Anfang wollte ich das gar nicht. Ich wollte einfach Künstler werden und zurück in die Schweiz kommen. Das Bedürfnis zu predigen entstand, weil ich selber mit Jesus lebe. Gott hat an mir gearbeitet. Ich habe in den Jahren der Ausbildung viel mit ihm erlebt. Nun möchte ich, dass auch andere Menschen ihr Leben nach Gottes Willen ausrichten. Mit Gott leben ist faszinierend, eine echte Herausforderung.

Wer ist Jesus für dich?
Er ist Gottes Sohn. Er befreit mich durch seine Vergebung von der Sünde. Er schenkte mir ein neues Leben. Die Bibel sagt, er ist mein Freund und Bruder. Durch ihn habe ich Zugang zu Gott.

Du sprichst von Sünde. Kannst du dieses Wort genauer definieren?
Alles, was gegen den Willen Gottes ist, ist Sünde. Es trennt von Gott.

Wie erkennt der Mensch den Willen Gottes?
Wie erkennt der Mensch den Willen Gottes? - Super Frage! Ich erkenne seinen Willen, indem ich die Bibel lese und eine persönliche Beziehung zu ihm habe. Ich kann nicht schnippen und dann weiss ich was Gott will. Je mehr ich als Christ im Glauben wachse, um so sicherer werde ich. Erkennen ist Lernen, eine Beziehung leben.

Hören. Gehorchen. Umsetzen. Sich von Gott führen lassen. Dies sind Botschaften in deiner Aufführung. Du hast mit deinen Bällen eindrücklich gezeigt, wie das Schritt für Schritt geht. Wie führt dich Gott?
Für mich ist ganz wichtig, jeden Tag mit Gott in Kontakt zu sein. Ich bete, lese in der Bibel und bitte Gott um Antworten. Er führt nicht immer so direkt. Aber wenn wir von Herzen fragen, was Gott in unserem Leben möchte, zeigt er uns seinen Weg. Führen lassen heisst: Suchen und viel Zeit mit Gott verbringen. Wenn ich ohne Gott lebe, verliere ich den Faden. Dann wird das Leben schnell sinnlos. Als Künstler habe ich auch starke Emotionen. Ich darf mich nicht danach ausrichten, sonst bin ich unstabil.

Gibt es in deinem Leben einen Grundsatzentscheid? Hast du dir gesagt: Unabhängig von den Umständen, ich will zu Gott halten?
Ja, ganz klar. Alles, was ich heute tue, kommt von Gott. Ich habe Fähigkeiten und Ideen, aber die sind nicht von mir. Ich bin nicht so genial. Wenn ich versuche meinen Willen durchzusetzen, geht es meist nicht gut. Ich übe. Ich will lernen, Gottes Weg zu gehen. Das ist nicht immer einfach. Aber ich will dranbleiben!

Du hast als Kind die Sonntagsschule besucht, bist von den Eltern im Glauben erzogen worden. Was hat dich damals am christlichen Glauben fasziniert?
Die Ehrlichkeit und Transparenz der Leiter. Ihr Leben hat mich beeindruckt. Es war echt, nicht wie bei mir.

Mit 17 hast du rebelliert. Wie?
Das Leben war mir zu langweilig. Ich wollte frei leben. Als Kind durfte ich vieles nicht tun, weil es von der Bibel her nicht richtig gewesen wäre. Als Teenager wachte ich auf und dachte: Wau, du hast etwas verpasst. Ich besuchte Partys, Hardrockkonzerte, liess mir die Haare lang wachsen. Ich wurde ein richtiger Partytyp. Ich war rebellisch und unberechenbar. Ich führte ein Doppelleben. Besuchte noch die Gottesdienste, lebte aber innerlich ohne Gott. Ich war zerrissen, wollte das Leben aufgeben. Dann wollte ich zurück zu Gott. Ich betete. Aber es veränderte sich nichts! Ich sagte zu Gott: "Dies ist mein letztes Gebet!"

Was geschah danach?
Zwei Wochen später reiste ich mit einem Freund in die Ferien nach Zypern. Wir besuchten meine Schwester. Sie holte uns am Flughafen ab. Auf dem Weg verlor sie die Kontrolle über das Fahrzeug. Zuerst lachten wir. Doch dann wurde es ernst. Wir sahen einen tiefen Graben vor uns. Fünf Meter breit, sechs Meter tief. Panik! Wohin gehe ich, wenn ich das nicht überlebe? Ich erwachte im Auto. Neben mir meine Schwester voller Blut. Mein Freund bewegte sich auch nicht. Ich schrie, hatte Angst vor einem Autobrand. Der Sicherheitsgurt liess sich nicht öffnen. Ich schrie zu Gott: "Wenn du mich hier herausholst, gebe ich dir mein Leben ganz neu." Als ich wieder aufwachte, lag ich neben dem Auto. Ich weiss nicht, wie ich herauskam. Das Auto war eine Ruine. Niemand war wirklich schwer verletzt.

Und das Leben danach?
Mein Freund und ich realisierten: Gott ist gut! Das Leben ist kein Spiel. Das war unsere grosse Umkehr zu Gott.

Seither bist du ganz brav!?

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Nein! (Lacht und seine Frau noch mehr) Soll ich Barbara fragen? (Sie verneint.) Ich war auch danach noch rebellisch im Herzen. Aber ich habe diesen klaren Entscheid gefällt. Dann kam die Einladung zum Studium in Amerika. Ich wollte Pantomime werden. - Gott holte mich, weil er an meinem Herzen arbeiten wollte. Er wollte, dass ich ihm näher kam. Ich war nach meiner Umkehr nicht brav. Aber Gott ist geduldig und gut. Er korrigiert mich durch Menschen, die den Mut haben, mir meine Fehler zu zeigen. Gott hat mir immer wieder einen Spiegel hingehalten. Das ist gut so.


Autor: Hans Ueli Beereuter
Quelle: Bordzeitung - Texte zum Leben

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