Läufer Tim Montgomery

«Ich war ganz oben und ganz unten»

Für die USA gewann er Olympisches Gold und 2002 war er kurzzeitig der «schnellste Mann der Welt», bis ihm der Titel wegen eines Dopingskandals aberkannt wurde. Danach ging es für Tim Montgomery steil bergab. Im Gefängnis fand er zurück zu Gott. Eine Wende in seinem Leben.

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Tim Montgomery
Als Kind glaubte ich schon irgendwie an Gott. Jedenfalls betete ich oft und immer das Gleiche: Dass Gott mich richtig schnell macht. Und er hörte mein Gebet. Bald war ich der schnellste Junge der ganzen Stadt.

In der achten Klasse fuhr ich enorme Erfolge ein und landete sogar auf der Titelseite unserer Lokalzeitschrift. Ich fühlte mich grossartig. Das gab mir so viel, dass es mir jetzt eigentlich gar nicht mehr um den Sport ging, sondern nur noch darum, wieder in die Zeitung zu kommen.

Im College setzte ich einen neuen Rekord: 100 Meter in 9,96 Sekunden. Jetzt riefen alle an; Adidas, Nike, Asics. Alle wollten mich als Werbeträger haben. Den Titel musste ich wenig später wieder abgeben, als sich herausstellte, dass die Bahn drei Zentimeter zu kurz war. Ich war zerknirscht, aber die Firmen waren auf mich aufmerksam geworden und ich unterschrieb einen 250'000-Dollar-Vertrag mit Asics.

Leben als Leichtathlet

Ich lebte ein Highlife als Sportprofi. Für mich war es zutiefst befriedigend, morgens aufzuwachen und zu wissen: Ich kann mir alles kaufen, was ich will. Aber ich verbrauchte irrsinnig viel Geld. Schon bald kam ich unter Druck, auch das nächste Rennen gewinnen zu müssen, um mir meinen teuren Lebensstil leisten zu können.

Aber ich war gut und gewann eine Medaille nach der anderen. Doch das war mir nicht genug. Ich wollte der «schnellste Mann der Welt» sein, koste es, was es wolle. Ich wäre bereit gewesen, meine Seele zu verkaufen und zu betrügen. Tatsächlich verlor ich die Realität aus den  Augen. Nur die Angst, erwischt zu werden, hielt mich vor Doping zurück

Der Teufel im Engelskostüm

Eines Tages traf ich Victor Conte, der mir erzählte, dass er Medikamente hätte, die man nicht nachweisen könne. Ich war so auf Erfolg geeicht, dass ich mir sogar einredete unsere Begegnung wäre ein göttlicher Zufall. Ich hatte überhaupt kein schlechtes Gewissen, diese Medikamente zu nehmen und zu betrügen. Ich dachte, jeder muss schauen, wo er bleibt. Tatsächlich konnte man mir nichts nachweisen.

2002 erreichte ich dann mein Ziel: Ich wurde der schnellste Mann der Welt. Ich hörte die Menge jubeln und schreien! Als ich auf die Zeit schaute, sah ich, dass die Uhr 9,78 Sekunden anzeigte. Aber der Sieg währte nur kurz.

Victor Conte flog auf und es wurde bekannt, dass ich zu seinem Dunstkreis gehörte. Ich wurde vor Gericht geladen und die US-Anti-Doping Agentur sperrte mich für vier Jahre und annullierte alle Rekorde und Titel, die ich nach 2001 gewonnen hatte.

Absturz und eine Entscheidung

Nach kurzer Zeit wurde mein Geld knapp und ich hatte nichts aus meiner Strafe gelernt. Ich versuchte, auf illegale Weise an schnelles Geld zu kommen, dealte mit Heroin und fälschte Schecks. 2008 wurde ich zu fünf Jahren Haft verurteilt. Ich war am Tiefpunkt angekommen und hatte jegliche Hoffnung verloren.

Im Gefängnis erinnerte ich mich an den Gott meiner Kindertage. Und ich spürte, dass nur er meine Rettung sein konnte. Zum ersten Mal seit langem wandte ich mich an ihn: «Gott, bitte vergib mir. Ich weiss, ich habe mich nur um mich gedreht und alles verbockt. Ich habe dich oft angelogen. Aber ich flehe dich an: Bitte vergib mir!»

Dieses Gebet war der Anfang meines neuen Lebens. Durch Gottes Hilfe konnte ich mit meinem alten Leben abschliessen und neu anfangen. Ich hatte jetzt viel Zeit, in der Bibel zu lesen und Gott sprach in mein Leben. Es war erstaunlich: Obwohl ich im Gefängnis sass, fühlte ich mich so frei, voller Frieden und so erfüllt. Das war besser, als wenn man als erster die Zielgerade überquert. Es war das Gefühl von Zuhause ankommen.

Gott hat mein Leben wirklich verändert. Heute bin ich verheiratet und arbeite als Leichtathletiktrainer. Doch ich habe erfahren, dass es ein grösseres Ziel gibt, als erster zu sein; nämlich die Freundschaft mit Gott.

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Datum: 20.12.2014
Autor: Miriam Hinrichs
Quelle: Jesus.ch / cbn.com

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