Ein Muezzin wird Christ

„Ich machte mich auf die Suche nach dem lebendigen Gott“

Azad (Name von der Redaktion geändert) stammt aus der Türkei und ist Kurde. Er war Muslim und ehemaliger Muezzin. Seit er Christ geworden ist, erzählt er den Leuten von Jesus und Gott - auch in der Türkei.

Norbert Lieth: Sie waren muslimischer Muezzin. Was ist die Aufgabe eines Muezzins?
Azad: Der Muezzin (arab.) ist der Gebetsrufer und Vorbeter, der fünfmal täglich vom Minarett der Moschee herab die Gebetszeit ankündigt. Er vollzieht auch Trauungen und alles, was die Aufgabe der islamischen Religion beinhaltet. Er ist sozusagen der Pfarrer oder Pastor für seine Gemeinde.

Wie haben Sie Jesus Christus kennengelernt?
Durch das Lesen des Neuen Testaments, das ich früher gehasst habe; ich war überzeugt, dass es böse Christen verfälscht hatten. Als ich in Deutschland wegen eines Raubüberfalls ins Gefängnis kam, betete ich dort zu Gott, Er möge mir den Weg zu sich zeigen. Da bekam ich ein Neues Testament in die Hände, las darin und erkannte, dass ich ein Sünder bin und Jesus Christus für meine Sünden gestorben ist.

Allah war für mich schon vorher zu einem grausamen Gott geworden, und zwar aus folgenden Gründen: Als ich noch Muslim war, begann ich im Alter von sieben Jahren pflichtgemäss, mich jeden Tag fünfmal vor Allah niederzubeugen, was wöchentlich 35 Mal ausmacht. Aber irgendwann einmal musste ich mit grosser Enttäuschung feststellen, dass ich dadurch keine Heilsgewissheit bekam und die Hölle auf mich wartete. So wird es im Koran gelehrt: «Bei deinem Herrn ist es endgültig beschlossen, dass da niemand unter euch Menschen und Dämonen ist, der nicht in die Hölle komme und danach, nur wenn Allah will, er ihn dort heraushole.» Ich war enttäuscht vom Islam. Und ich fand  es auch grausam, dass dieser Allah, der so genannte Schöpfer, mir als seinem Geschöpf die Befehle gab, ich solle Menschen töten, die anders denken oder anders glauben. In Sure 9, Vers 29 steht der Kriegsbefehl gegen Juden und Christen. Und irgendwann einmal kam ich mir humaner vor als Allah. Das konnte ich nicht länger mitmachen, und so gab ich meine Aufgabe als islamischer Vorbeter auf und machte mich auf die Suche nach dem lebendigen Gott.

Worin sehen Sie heute ihre Aufgabe?
Meine erste Aufgabe besteht darin, meinen Landsleuten und meinem Volk – das vom Islam geknechtet worden ist – von der Liebe Gottes zu erzählen. Das tue ich, selbst unter etlichen Morddrohungen. Eine weitere Aufgabe besteht darin, den Menschen und besonders den Christen in Europa Aufklärung darüber zu geben, was der Islam ist. Dann sehe ich es als grosse Aufgabe an, in Gefängnisse zu gehen, also dahin, wo Jesus auch mich gefunden hat, dort als ehrenamtlicher Betreuer zu arbeiten und Menschen von Gott zu erzählen. Meine grösste Aufgabe besteht jedoch darin, die Bibel in die kurdische Sprache zu übersetzen. Daran arbeite ich schon sehr lange. Aber Gott sei Dank ist diese Arbeit bald abgeschlossen.

Werden Sie in Ihrer Tätigkeit behindert oder gar bedroht?
Ja, sehr massiv. Das letzte Mal vor zwei Tagen. Ich war in Detmold und erzählte dort von meinem Glauben. Da kamen einige Landsleute auf mich zu und sagten: «Wir knallen dich ab!» Zu den deutschen Glaubensgeschwistern sagten sie: «Ihr seid ganz lieb, Jesus wohnt in euren Herzen.» Aber in meiner Sprache sagten sie zu mir: «Du bist ein Lügner. Du hast unsere Religion und unseren Propheten beleidigt. – Wir knallen dich ab!» Bis auf den heutigen Tag habe ich viele briefliche Morddrohungen bekommen. Ich bin deshalb öfters bei der Kriminalpolizei gewesen. Aber sie kann mir auch nicht helfen; sie kann erst eingreifen, wenn ich tot bin.

Wie beurteilen Sie den Unterschied zwischen der Bibel und dem Koran?
Die Bibel ist ganz klar das Wort Gottes. In der Bibel wird mir deutlich gezeigt, wer ich bin: ein Sünder. Aber sie zeigt mir auch Jesus, der meine Sünden wegnimmt, und ich erhalte durch die Bibel Heilsgewissheit. Das ist der grosse Unterschied zwischen der Bibel und dem Koran. Im ersten Johannesbrief steht zum Beispiel: «Dies habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt, die ihr an den Namen des Sohnes Gottes glaubt». Aber der Koran sagt in Sure 66, Vers 8: «Bekehret euch mit aufrichtigem Herzen zu Allah, vielleicht wird er eure Missetaten zudecken.» In der Bibel wiederum heisst es: «Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit»

Sie sagten mir, dass Sie kurdischer Abstammung seien. Wie beurteilen Sie die heutige Situation der Kurden in der Türkei?
In der Welt gibt es wohl kaum ein Volk, dem es so geht wie dem kurdischen (etwa. 40 Millionen Menschen), das nicht in seiner Sprache reden darf. Wenn Kurden in der Türkei etwas in Kurdisch veröffentlichen, werden sie dafür hart bestraft (inzwischen scheint auf Druck der EU, zumindest auf dem Papier, eine Änderung eingetreten zu sein, d. Red.). Wie soll man das beurteilen? Das ist gegen die Menschenrechte, gegen Gottes Gebote, gegen alles, ja es ist unmenschlich. Aber trotzdem liebe ich die Türken, weil die Liebe Gottes durch den Heiligen Geist in meinem Herzen ausgegossen ist. Ich habe sie früher gehasst. Aber seit ich Christ bin, bete ich jeden Tag für die Türkei.

Wie war Ihre Stellung als aktiver Muslim in Bezug auf Israel?
Damals habe ich Israelis und Juden gehasst, ohne dass ich einen einzigen Juden kennen gelernt hatte. Das kam natürlich aus dem Gift, das der Islam mir eingegeben hat. Aber in der Bibel heisst es: «Wenn nun der Sohn euch frei machen wird, so werdet ihr wirklich frei sein». Als ich zum Glauben kam habe ich über meine Gedanken Busse getan. Und heute vergeht kein Tag, an dem ich nicht für Israel bete und Jerusalem und das jüdische Volk in Jesu Namen segne. Als ich noch im Islam gefangen war, keine Hoffnung und keine Heilsgewissheit hatte, obwohl ich religiös war und die Last der Sünde mich niederdrückte, wünschte ich mir manchmal, ein Selbstmordattentäter in Israel zu sein. Ich wünschte mir, meinem Leben ein Ende zu machen und einige Menschen aus dem Volk, das Gott liebt, mit in den Tod zu reissen. Auch als ich im Gefängnis war, schlug ich mich noch mit diesem Gedanken herum. Doch Jesus hat mich bewahrt. Ihm sei Lob und Dank!

Gekürzte Fassung. Das ausführliche Interview finden Sie auf der Homepage http://www.mitternachtsruf.ch/

Autor: Norbert Lieth
Quelle: Mitternachtsruf



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