Stefan van der Heijden

«Ich wollte mich umbringen»

Die persönliche Geschichte von Stefan van der Heijden ist beides: rau und erlösend. Mittendrin steht ein dramatischer Wendepunkt – und Alpha.

Zoom
Stefan van der Heijden
Ich wuchs in einem kleinen niederländischen Dorf auf. Ich war sieben Jahre alt, als meine Eltern sich scheiden liessen. Nur mein Vater brachte noch etwas Stabilität in unser Zuhause, meine Mutter war überfordert: Ich tat, was ich wollte. Wenig später starb mein Bruder, doch für Emotionen war kein Platz. Als mein Vater uns wegen Mutters psychischen Problemen verliess, begann sie, sich mit vielen Männern zu treffen. Einige von ihnen waren mir gegenüber gewalttätig.

Drogen, Kriminalität, Psychose – und Familie

Bald begann ich zu kiffen und traf mich mit älteren Jungs, die Drogen nahmen. Mit zwölf Jahren wurde ich zum ersten Mal wegen Diebstahls verhaftet. Ich landete in Pflegefamilien, Notunterkünften und im Jugendgefängnis. Wieder draussen, nahm ich immer mehr Drogen, wurde immer krimineller, begann zu dealen und baute Gras an – schnelles Geld musste her. Es wurde immer schlimmer, bis ich 2001 – ich lebte gerade in Deutschland – psychotisch wurde und Dinge sah, die es nicht gab. Meine Freundin und unsere kleine Tochter mussten alles mit ansehen, was mich immer noch schmerzt.

Zurück in den Niederlanden, verübte ich einen Raubüberfall auf ein Restaurant und bedrohte ein Mädchen. Nötig hatte ich es nicht – ich besass genug Geld. Rückblickend bin ich überzeugt: Es war ein Hilfeschrei. Ich suchte einen Ausweg aus diesem Leben. Als ich mit dem Wagen davonbrauste, folgte mir jemand, und ich merkte, dass er mit mir reden wollte. Nichts ahnend stoppte ich an der nächsten Tankstelle. Der Mann war kein Geringerer als der Restaurantbesitzer – und der Vater des Mädchens.

Der Hilfeschrei

Ich wusste, dass ich Hilfe brauchte. Ich wollte aus diesem Leben aussteigen. Mit zittrigen Händen legte ich meine Pistole in seine Hand und bat ihn, die Polizei zu rufen. Deprimiert dachte ich im Gefängnis an meine Tochter: Wie hatte ich ihr das nur antun können? Ich wollte mich umbringen, wollte ihr nicht mehr wehtun. Ich war wütend, frustriert, hatte Angst und war traurig – alles gleichzeitig.

In dieser Verlassenheit besuchte mich ein Pastor. Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich meine Geschichte erzählen, ohne dafür verurteilt zu werden. Immer noch im Gefängnis, wurde ich zu einem Alphakurs eingeladen, wollte zuerst aber nicht hingehen. Doch schliesslich entschied ich mich, es einfach einmal auszuprobieren.

Im Gefängnis Freiheit gefunden

Endlich, nach Jahren ohne Gott, konnte ich frei über den Glauben sprechen und meine Fragen stellen. Alpha bot mir eine neue Chance. Eine Chance, Gott zu treffen und mehr über Jesus herauszufinden. Das rettete mir buchstäblich das Leben. Ich fand Hilfe im Hinblick auf meine Fragen und Zweifel – und ich lernte, mit den Ängsten vor meiner Freilassung und meiner Zukunft umzugehen. Zum ersten Mal war da mit meinem Kleingruppenleiter jemand, der an mich glaubte. Alpha veränderte mich von Grund auf. Ich wurde viel offener für Gott – und ich wollte etwas aus meinem Leben machen. Der Typ mit null Selbstvertrauen und ohne Sinn im Leben wurde zu einem Mann, der zufrieden war mit dem Leben, das er hatte. Vorher machte ich Menschen zu Opfern und baute eine Mauer um mich herum. Nun war ich plötzlich offen und wollte anderen helfen.

Kurz darauf traf ich in der Verhaltens- und Suchtbehandlung meine spätere Frau. Waren wir anfänglich auch so schüchtern, dass wir nicht miteinander sprachen, so blieben wir dennoch in Kontakt. Wir waren richtig verliebt, heirateten und bekamen zwei Jahre später einen Sohn. Gemeinsam gründeten wir die Stiftung «ToReachIt» (Um es zu schaffen), weil wir den tiefen Wunsch verspürten, Menschen zu helfen, die aus einer Suchtbehandlung oder dem Gefängnis herauskommen. Wir unterstützen sie bei der Job-und Wohnungssuche, helfen ihnen aber auch in ihren Beziehungen und Familien – denn nichts ist wichtiger, als diesen Menschen auf dem Weg zurück in die Gesellschaft zu helfen. Niemand weiss besser als wir: Jeder hat eine zweite Chance verdient. Und jeder kann es schaffen!

Zum Thema:
Ruben von der Dope-Church: «Jesus ist die beste Droge, die es gibt!»
Dramatische Wende im Knast: Von Drogenboss und FBI gesucht – von Gott gefunden 
Heute frei von Drogen: Chur-Spieler wollte sich das Leben nehmen

Datum: 27.06.2016
Quelle: Alpha International

Glaubensfragen & Lebenshilfe

Anzeige