Eltern: Gekidnappt und ermordet

«Ich wollte einfach nur weg von Bolivien – egal wohin»

Die Bolivianerin Mery Maldonado-Lehmann verliert ihre Eltern auf brutale Art und Weise. Vater und Mutter wurden ermordet. Die junge Frau fällt in eine tiefe Lebenskrise. Sie bittet Gott um Hilfe und bekommt einen Anruf aus der Schweiz…

Zoom
Mery Maldonado-Lehmann: «Meine Kinder haben die Familie, die ich mir immer gewünscht habe.»
«Ich bin dankbar, hat mich Gott in die Schweiz geführt», erzählt Mery Maldonado rückblickend, «obwohl der Start aufgrund der Sprachbarriere sehr schwierig war.» Heute arbeitet sie selber als Spanischlehrerin und betreibt eine eigene Sprachschule. Mit ihrem Ehemann Stephan und den zwei gemeinsamen Kindern lebt sie in Bremgarten AG. Die Mutter ist dankbar für ihre heutige Lebenssituation: «Meine Kinder haben die Familie, die ich mir gewünscht habe.»

Allein zu Hause

Während der Schulzeit lebt Mery Maldonado mit ihren Eltern und den fünf Geschwistern in der Millionenmetropole El Alto in einer kleinen Wohnung. Wochenlang sind die Kinder auf sich alleine gestellt. Die Eltern sind fast rund um die Uhr geschäftlich unterwegs. Aber durch den rentablen Job der Eltern als Geldwechsler wächst der Wohlstand der Familie – und sie können sich ein eigenes Haus leisten: «Es schien bergauf zu gehen.»

Spurlos verschwunden

An einem Montag verlassen die Eltern frühmorgens das Haus und kehren viel zu lange nicht mehr zurück. «Wir wussten, dass etwas nicht stimmte.» Das ungute Gefühl wird am Abend bestätigt: Die Eltern wurden entführt. Zwei lange Monate fehlt von ihnen jede Spur. Unzählige Suchaktionen bleiben erfolglos. In dieser Zeit studiert Mery Maldonado Linguistik an der Universität: «Ich war überhaupt nicht mehr bei der Sache und verpasste wegen den Suchaktionen enorm viel Stoff.» Verzweifelt richtet sie im Schulbus ein Stossgebet nach oben: «Gott, gib mir meine Eltern zurück – tot oder lebendig.» Nur ein paar Minuten später erfährt die junge Studentin über das Radio, dass ihre Eltern gefunden wurden. Ermordet – wie sich später herausstellt.

Neustart in der Schweiz

Lange Zeit verdrängt die junge Frau den Tod von Vater und Mutter. «Ich redete mir ein, dass es gar nicht meine Eltern waren in den Särgen.» Doch die Realität holt sie nach und nach ein. Nach zwei Jahren erreicht Mery Maldonado den Tiefpunkt ihres Lebens. «Ich wusste, ohne Hilfe von oben schaffe ich es aus diesem Loch nicht raus.» Sie bittet Gott, dass er sie aus dieser Situation befreit. Dann kommt ein Telefon aus der Schweiz von einer Tante – sie bezahlt Mery Maldonado ein Flugticket nach Zürich. «Diese Chance wollte ich nutzen und packte meine Koffer.» Seither ist über ein Jahrzehnt vergangen – und viel Unerwartetes passiert.

Die ganze Lebensgeschichte von Mery Maldonado ist zu sehen im FENSTER ZUM SONNTAG-Talk «Meine Eltern: Gekidnappt und ermordet» am kommenden Wochenende. Die Sendetermine im Überblick:

  • Sa, 15.11.14  17.15 Uhr – SRF zwei / 18.30 Uhr – SRF info
  • So, 16.11.14  12.00 Uhr – SRF zwei / 17.45 Uhr – SRF info

Zum Thema:
Ich habe Menschen getötet: Vielleicht verzeiht mir Gott
Glaube in der Katastrophe: Mutter verliert zwei Söhne im Tornado: «Gott ist gut»
Sein Leben hinterlässt Spuren: «Wenn er stirbt, dann für etwas Grosses»
Sinn des Lebens: Eltern finden Brief ihrer toten Tochter
Maries Vater: «Gott ist nicht aus meinem Leben verschwunden»

Datum: 10.11.2014
Autor: Petra Kieliger
Quelle: antenne November 2014 / ERF Medien

Glaubensfragen & Lebenshilfe

Anzeige