Heinz Inniger

Seinen persönlichen Sieg hat er schon gefeiert

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Snowboarder Heinz Inniger.
Zum zweiten Mal nach Salt Lake City hat Philipp Schoch die Goldmedaille im olympischen Snowboard-Parallel-Slalom gewonnen. Im Final setzte sich Philipp gegen seinen Bruder Simon durch. Heinz Inniger und Gilles Jaquet scheiterten bereits in den Viertelfinals.

Die Schweizer Boarder hatten am Morgen die Qualifikation nach Belieben dominiert: Simon Schoch erreichte vor Olympiasieger Philipp Schoch die klare Bestzeit, hinter den Weltcup-Führenden reihte sich Heinz Inniger ein, Gilles Jaquet kam in der Vorausscheidung auf den fünften Platz.

Einer aus dem Quartett der Schweizer Snowbboarder stürzte jedoch im Viertelfinal und verschlechterte sich deshalb in der Schlussabrechnung. Jetzt war Heinz Inniger „nur“ auf den fünften Platz abgerutscht. Ein Unglück? Nicht unbedingt. Für den 25-jährigen Snowboarder ist eine Medaille an den olympischen Spielen nicht das einzige Lebensziel.

Die Frage taucht in so einem Moment schon auf: Welches Ziel verfolgen wir eigentlich im Leben? Ein fürsorglicher Vater zu sein, eine glückliche Beziehung zu führen, im Marathon unter 2 Stunden 30 zu laufen? «Das Ziel muss realistisch aber hoch angesetzt sein», sagte im Vorfeld zwar Heinz Inniger. Er schien nach dem Rennen dennoch nicht einmal enttäuscht: „Fünfter ist auch gut, es war ein schönes Erlebnis. Falls ich gesund bleibe, werde ich an der nächsten Olympiade in Vancover wieder dabei sein“, versicherte Inniger.

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Krankheit besiegt

Sein grösster Sieg hat er schon gefeiert. Wenn der Snowboarder Heinz Inniger aus Frutigen in atemberaubendem Tempo die Piste hinunterkurvt, erinnert nichts mehr an die Prothese und die Stöcke, die er im Teenageralter tragen musste. Dabei ist es ein Wunder, dass Heinz Inniger heute als Profisportler leben kann. «Wegen einer schweren Krankheit ist eines meiner Beine wesentlich kürzer als das andere», erklärt Inniger: «Mit 12 Jahren habe ich plötzlich feststellen müssen, dass etwas mit meinem linken Bein nicht in Ordnung ist.

Die Diagnose des Arztes war vernichtend: Morbus Perthes. Eine seltene Krankheit. Der Arzt sagte mir, dass meine Hüfte regelrecht am "Zerbröckeln" sei. Das Alter von 12 bis 15 Jahren sei für ihn eine sehr schwierige Zeit gewesen. Er musste sich körperlich schonen, was keine leichte Situation für einen Bewegungsmenschen wie ihn gewesen sei. Es war während diesen turbulenten Wochen, als sich Inniger für ein Leben mit Jesus entschied: «Ich brauchte jemanden, der mich durchträgt», bezeugt der Oberländer aus christlichem Elternhaus. «Damals habe ich es festgemacht. Für Jesus muss sich jeder Mensch selbst entscheiden. Dieses Bekenntnis kann einem niemand abnehmen», sagt er.

Und dann entdeckte er das Snowboard. Das ist jetzt acht Jahre her – ein langer und doch kurzer Weg vom Ex-invaliden zum Champion. «Es ist ein riesiges Gefühl und ein klein wenig eine Rückerstattung für die harten Jugendjahre.»

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Lebensstil mit Taten

Das Leben mit Jesus, das in seinen Teenagerjahren begonnen hat, gehört für Inniger heute zum Alltag – zuhause genauso wie im Sport: «Ich lebe meinen Glauben offen! Alle meine Kollegen wissen und akzeptieren das.»

Unterstützung erhalte er durch zwei Snowboarderinnen im Team, die ebenfalls gläubig sind. Heinz Inniger bereist die ganze Welt, ist oft weg von zu Hause. Weg von seiner Ehefrau, seinem Umfeld, seiner evangelischen freikirchlichen Glaubensgemeinschaft. Damit seine innere Balance stimmt, ist der Austausch unter Gleichgesinnten wichtig. Im Snowboard-Zirkus ist dies kein Problem. «Wir haben eine Bibelgruppe», verrät Heinz Inniger, «und wir treffen uns wenn möglich einmal wöchentlich zum gemeinsamen Austausch.» Auch der Swiss-Ski-Snowboard-Coach Christian Ruefer bekennt sich zum Christentum. Die Athletinnen Ursula Bruhin sowie die Steffisburgerin Franziska Kohli auch. Und zu guter letzt der in Frutigen wohnhafte Emanuel Oppliger, der als Doppelbürger im Weltcup für Australien startet.

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Es sei ihm aber wichtig, seine Teamkollegen und die Menschen um ihn herum nicht einfach anzupredigen, betont Inniger: «Ich will ihnen nicht mit Worten, sondern mit Taten und durch meinen Lebensstil zeigen, was ich glaube.» Das führe manchmal zu Witzen und Sprüchen im Team, manchmal ergäben sich aber auch tiefe Gespräche. Es komme immer wieder vor, dass man bei einem gemütlichen Gespräch plötzlich bei Fragen über Jesus lande. «Wir sind absolut keine Aussenseiter, weil wir offen und ehrlich zu unserem Glauben stehen», ist der Boarder überzeugt. Diese Geradlinigkeit beeindrucke die Menschen. «Es ist cool, dass ihr dabei seid», habe ein Teamkollege einmal gesagt, «das bringt einen Segen aufs ganze Team.» Gestern hat sich das bewahrheitet.

Quellen: idea schweiz, Livenet, BZ

Datum: 22.02.2006

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