Cacau

Der Rasen ist seine Kanzel

Seine Predigten sind kurz, aber sie erreichen viele tausend Menschen. Mit Botschaften wie „Jesus liebt dich“ sorgt die T-Shirt-Mission des brasilianischen Stürmers Cacau für Aufsehen in der Bundesliga. Ein Interview mit dem Fussball-Missionar.

Kurios, was sich in den ersten Minuten der Begegnung 1. FC Nürnberg gegen Bayer 04 Leverkusen abspielt: Ein unbekannter kakaobrauner Stürmer namens Barreto hat gerade das 1:0 geschossen. »Jesus lebt und liebt dich«, lautet die Message, die er auf seiner Jubelrunde stolz unterm Trikot offenbart. Nur zwei Minuten später der Ausgleich durch Zé Roberto. Genauso euphorisch läuft der Brasilianer in die Fankurve und zieht sein Trikot hoch: »Jesus liebt dich«. Fans und Fotografen schauen erstaunt. Das ist ja fast wie beim Memory. Als wenige Minuten später Barreto das 2:1 schiesst, erreicht die Predigt ihren Höhepunkt. Jetzt wollen alle wissen, wer das ist. Auf dem Spielberichtsbogen steht »Jeronimo«, auf seinem Trikot »Barreto« und der Stadionsprecher nennt den Torschützen immer »Cacau«.

Warum nennt sich »Claudemir Jeronimo Barreto« wie ein Schokogetränk?
Mit drei Jahren habe ich in undeutlicher Kindersprache »Cacaudemir« anstatt »Claudemir« gesagt. Schon hatte ich meinen Spitznamen weg.

Du warst in Brasilien ja nie bei einem richtigen Club...
Stimmt, mein erster Club war »Bagaco da Vida« aus meiner Stadt. Vom Niveau eine Hobbymannschaft. Aber dafür bin ich Kilometer zu Fuss zum Training gelaufen.

Und eines Tages stand Pelé da und hat dich entdeckt?
Nein, mein Trainer Mauro bekam damals einen Anruf von seinem Cousin Osmar. Der war ständig auf der Suche nach Talenten. So kam ich ins Gespräch und er nahm mich zu Tests nach Deutschland mit.

Du warst da gerade 18, was haben deine Eltern gesagt?
Meine Mutter versuchte, seit mein Vater uns verlassen hat, mit Putzjobs durchzubringen. Sie hat gesagt, ich solle versuchen, Fussballprofi zu werden. Und wenn es nicht klappt, dann könnte ich wieder zurückkommen und etwas anderes zu tun. Da musste ich mich auf Gott verlassen. Ich habe gebetet, dass sein Wille geschehen soll, weil das sowieso das Beste ist.

Das Markenzeichen vieler Brasilianer ist ein frommes T-Shirt. Glaubt jeder Brasilianer an Gott?
Nein, kein Mensch kommt als Christ auf die Welt. Man muss sich entscheiden, ob man mit Gott leben will oder nicht. Bei mir hat es damit angefangen, dass mir eines Tages ein Mitspieler von Jesus und über die Liebe Gottes erzählt hat. Ich verstand nicht, was er meinte, aber ich fand es so interessant, dass ich ihn das ganze Wochenende ausfragte. Und die Fragen, wie man Gott entdecken kann, beschäftigten mich seitdem.

Kann man ihn denn entdecken?
Als mein Bruder Vlademir sich taufen liess, wurde ich neugierig, ob Gott ihn verändern könnte. Er verspielte nämlich ständig sein Geld. Nach seiner Taufe war es beinahe, als ob Gott einen anderen Menschen aus ihm gemacht hatte. Ich glaube, dass Gott für mich nur deswegen so interessant wurde, weil ich seine verändernde Kraft mit meinen eigenen Augen sehen konnte. Ich war beeindruckt, als mein Bruder mir erzählte, dass Jesus für unsere Sünden gestorben ist. »Aber wir sündigen doch weiterhin, wie kann man das denn abstellen?«, habe ich ihn gefragt. Aber ich habe erst langsam verstanden, dass Jesus gerade dafür gestorben ist, dass er uns immer wieder von Neuem unsere Schuld vergibt, damit wir aus unseren Fehlern lernen können und dann ein besseres Leben führen.

Wie kamst Du auf die Idee mit dem Spruch über Jesus auf deinen T-Shirts?
Ich hab das in Brasilien gesehen.

Als ich Christ wurde, wollte ich den Fans das Beste sagen, was man einem Menschen sagen kann: »Jesus liebt dich«.

Bei deinem ersten Bundesligator hast du deine »T-Shirt-Mission« begonnen. Was hast du gedacht, als Zé Roberto beim 1:1 ebenfalls ein T-Shirt mit »Jesus liebt dich« zeigte?
Zuerst war ich traurig über den Ausgleich. Aber als ich dann das Jesus-Shirt sah, habe ich mich sogar mit ihm freuen können.

...so sehr, dass du kurz danach das 2:1 gemacht hast. Hat Gott keine Probleme, den Richtigen zu erhören, wenn zwei Fromme gegeneinander spielen?
Nein. Ich bete gar nicht dafür, dass wir gewinnen. Ich bete, dass Gott uns vor Verletzungen bewahrt und dass sein Wille geschehe.

Und was ist Gottes Wille?
Das weiss ich doch nicht! Gerade deswegen bete ich ja! Weil er mich liebt und weiss, was gut für mein Leben ist, ist es egal, ob wir gewinnen oder verlieren.

Vereine: Türk Gücü München, 1. FC Nürnberg (Saison 2001/02 und 02/03), VfB Stuttgart (Saison 2003/04)
Familie: Freundin Tamara
Geboren: 27. März 1981 Sao Paolo
Lieblingsverse aus der Bibel: Johannes 3,16 und Psalm 37,5

Quelle: www.fussball-gott.com

Datum: 03.11.2003

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