Ursula Bruhin

Niederlage und Sieg im Leben

Ursula Bruhin ist Profi Snowboarderin und glückliche Besitzerin von zwei Weltmeistertiteln in den beiden Verbänden ISF (2000) und FIS (2001).

Zudem ist sie auch mehrfache Schweizermeisterin. In ihrer Freizeit trifft man sie beim Surfen, Inline-Skating (einfach alles, was Fun macht!) oder aber zuhause beim Zeichnen.

 

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Ursula Bruhin beim Rennen
Ursula, du hast am 1.Februar via Zeitung erfahren, dass trotz allen Einsprachen von Sponsoren, Kollegen und Fans, sowie der Unterstützung seitens der Medien, du nicht an den olympischen Winterspielen 2002 teilnehmen kannst. Hattest du das geahnt oder war es ein totaler Schock?

Damit hatte ich nicht gerechnet. Nachdem ich auch noch den 1.Platz in Leysin erobert hatte, stieg meine Hoffnung doch noch in Salt Lake City teilnehmen zu können - dann nach langem Bangen das Urteil: Nicht qualifiziert!

Wie fühltest du dich zu diesem Zeitpunkt?

Es war‚ der Hammer nach all dem Stress, den ich bis dahin durchgemacht hatte. Das ganze Training, die Vorbereitungen, die langen Reisen von einem Rennen zum anderen - und immer die Ungewissheit: Reicht's oder reicht's nicht! Die definitive Nachricht hat mich schon "bodiget", doch je länger je mehr auch erleichtert. Stress ade. Nun konnte ich es gemütlich nehmen, während die anderen viele Strapazen auf sich nehmen mussten, ohne zu wissen, ob es sich lohnen wird oder nicht.

Was half dir in dieser Situation zurecht zu kommen?

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Ursula Bruhin
Zum Glück hatte ich eine stärkende Familie und aufmunternde Freunde, Kollegen und Fans, die alle hinter mir standen. So viele haben sich für mich eingesetzt. Doch der grösste Halt in dieser ganzen Misere war mein Glaube an Gott. Trotz äusserer Niederlage durfte ich immer wieder eine innere Ruhe spüren. Ein Ruhe, die ich nur aufgrund der Gewissheit haben konnte, dass Gott das Beste für mich will. Dadurch wurde ich neu offen und sah plötzlich viel bewusster, wie gut es mir eigentlich geht: Ich habe eine liebe Familie, gute Freunde und ich bin gesund. Was nützt mir einen Olympiatitel verbunden mit viel Geld, wenn ich all das nicht hätte?!

Du hast vor einigen Tagen die tiefsinnige Bemerkung gemacht, dass es schön sei, den 1. Platz zu machen, aber das dadurch das Leben eigentlich nicht verändert werde. Wie bist du darauf gekommen und wie hast du dies gemeint?

Auf dem Podest zu brillieren, die Beste zu sein und im Mittelpunkt zu stehen gibt ein solches Glücksgefühl, dass man alles andere vergessen kann. Doch dieses ‚Flash' hält nicht lange an. Erfolg und Geld allein, machen nicht glücklich. Wieder zuhause angekommen bleibt letztlich alles beim Alten. Du fällst sogar in ein Loch, in ein Tief, weil sich doch nichts geändert hat. In einer Woche spricht keiner mehr davon. Dann fährst du wieder ein Rennen und wieder ein Rennen. Es ist nicht das Ziel alleine, das wichtig ist. Der Weg zum Ziel ist es, was einen stark macht. Das Leben selbst auf dem Weg soll Freude machen. Diese Freude mit guten Freunden zu teilen ist doppelte Lebensqualität. Diese Lebensqualität kann man ins Unendliche verdoppeln, wenn man sich in die offenen Arme von Jesus Christus legt.

Und trotzdem hast du nicht verlernt zu siegen und es bereitet dir immer noch Freude, Medaillen abzuräumen. Beweis dafür, ist der Triumph am Rennen in Japan vor einigen Tagen. Kannst du etwas zu diesem für dich speziellen Wettkampf sagen und was dieser Sieg dir bedeutet?

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Training im Pulverschnee
Ich bestritt zwei Wettkämpfe in Japan. Da ich das erste Rennen "nur" auf dem 10. Platz beendete, hatte ich eine riesige Wut im Bauch. Ich schimpfte und stritt mit Gott: Er hat mir ein Talent geschenkt, ich habe trainiert und viele haben für mich gebetet. Nun sollte er mich endlich mal gewinnen lassen! In dieser Situation las ich einen Bibelvers, der davon sprach, dass Gottes Geist es wirken kann und nicht ich selber und dass er alle Hindernisse aus dem Weg räumen wird. "Toll", dachte ich, "soll ich denn überhaupt nichts mehr machen? Soll ich mich einfach oben hinstellen und abwarten?" Ich wusste nicht recht, wie ich mich verhalten sollte.

Am anderen Tag stand ich am Start und bat um das Wirken seines Geistes und vor allem um Schub. Ich hatte die Startnummer 1, die mit dem bremsenden Neuschnee auf der Piste nicht von Vorteil war. In der Qualifikation war ich dann aber mit fast 1,5 Sekunden Vorsprung die Schnellste! Im Finale schlug ich eine Fahrerin nach der anderen und schliesslich auch die Olympiasiegerin. Sieg! Endlich hat es ‚funktioniert'. Es kam eine riesige Freude auf und dazu eine Dankbarkeit. Gott hat mir ‚live' gezeigt, wie er mich durch die Bibel stärken und ermutigen kann. Ich durfte einmal mehr erleben, dass er mir gerade in schwierigen Situationen beisteht. So gesehen war es für mich ein doppelter Sieg!

Du hast scheinbar gelernt mit Siegen und Niederlagen umzugehen. Nun stehen Karfreitag und Ostern vor der Tür, Tage der höchsten Höhen und tiefsten Tiefen zugleich. Was bedeuten dir diese Festtage?

Ganz ehrlich gesagt: Osterhasen suchen, viele Süssigkeiten und Familienfest! Obwohl, es ist schon lange her, seit wir die letzten Osterhasen versteckt und nicht mehr gefunden haben! Da ich immer auf Achse bin, bekomme ich von den Festtagen meistens nur nebenbei etwas mit.

Es gibt Menschen die Mühe haben, wenn zum Beispiel ein Sportler über scheinbar private Dinge wie den Glauben spricht. Für sie ist Sport Sport und Religion Religion. Was würdest du solchen Leuten sagen? Und wie stark sprichst du eigentlich mit deinen Sportskollegen, Trainern und Sponsoren darüber?

Spätestens dann, wenn mich ein Sportler fragt an was ich glaube, erzähle ich ihm meine Geschichte: Auch ich besuchte schon Autogenes Training. Auch ich lernte meine negativen und positiven Gedanken bewusst wahrzunehmen, sowie negative Sätze in positive umzuwandeln wie zum Beispiel: "Ich schaffe es"! Doch manchmal geriet ich an Grenzen, wo ich beim besten Willen die verbleibende Unsicherheit nicht wegbrachte. Dann lernte ich die Kraft des Gebets kennen. Ich begann zu glauben, dass Gott das Beste für mich will, auch wenn es manchmal in diesem Moment nicht so aussieht. Der Glaube, dass mir Gott mehr schenkt, als ich mir jemals vorstellen kann, hat mir bis heute immer wieder neue Kraft und Hoffnung gegeben.

Interview: Rahel Eggenberger, Schwyz

Audio-Beitrag von Radio ERF

Homepage von Ursula Bruhin

Datum: 03.04.2002
Autor: Rahel Eggenberger
Quelle: Jesus.ch

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