Einander gefunden

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Nach vier Monaten war für Ruth und Dani klar: "Wir heiraten!"
Ruth und Dani Wyss entdeckten einander im Internet. Bereits vier Monate später stand die Hochzeit fest. Aber sie waren nicht blauäugig, sagen die beiden, sondern bereit, in die Beziehung zu investieren.

Ende Jahr erwachten Dani und Ruth an der Seite eines Menschen, den sie zu Beginn des Jahres noch gar nicht gekannt hatten. In der Zwischenzeit war er der Ehepartner. Wenn es stimmt, dann stimmt es, und das sei bei ihnen beiden der Fall, sagen sie im Interview mit Livenet.ch.

Livenet.ch: Dani und Ruth, Ihr habt einander im Internet gefunden. Wie ist es dazu gekommen?
Dani: In den Gemeinden gibt es in meinem Alter oft nur noch Paare. Nach meiner Bekehrung vor sechs Jahren kam für mich nur eine gläubige Frau infrage. Darum fing ich an, regelmässig die Kontaktanzeigen auf Livenet.ch zu lesen.

Schreiben liegt mir nicht so, darum inserierte ich nicht selber. Mir fiel auf, dass viele Inserierende anscheinend nur auf Äusseres sehen, aber wenig von einer persönlichen Beziehung zu Jesus spürbar ist. Bevor ich Ruth schrieb, hatte ich nur einmal auf eine Kontaktanzeige geantwortet.

Ruth: Ich inserierte nach längerem Abwägen, denn ich wollte nicht heiraten um jeden Preis. Hin und wieder schaute ich in die Partnerschaftsanzeigen auf Livenet.ch, aber ich hatte nur einmal jemand angeschrieben. Entweder fand ich die Inserate oberflächlich oder das Alter stimmte nicht oder…

Zuerst hatte ich Bedenken, im Netz Männern zu begegnen, die nicht schon "vorgeprüft" sind, wie das beispielsweise ein christlicher Partnerschaftsdienst macht. Andererseits konnte ich selbst aktiv sein, statt lange auf einen neuen Vorschlag warten zu müssen. Ich konnte selbst entscheiden, wann ich wem meine Adresse und Telefonnummer gebe. Es würde also ein Prüfen sein, ähnlich wie bei einer Stellen- oder Wohnungssuche, nur natürlich mit weiter reichenden Konsequenzen. Ich wusste, dass Jesus mir den Weg weist und dass er viel besser weiss, was gut ist für mich.

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Ruth und Dani an ihrem Hochzeitstag.
Mit wie vielen Schmetterlingen im Bauch hast Du dann inseriert?
Ruth: Ich war nicht sonderlich nervös. Mir war klar, dass die erste Kontaktaufnahme zwar wichtig ist, aber noch lange keinen "Erfolg" garantiert. Ich sah das bewusst als nüchternes Prüfen. Und ich hatte mir vorgenommmen, nicht gleich abzublocken, wenn ich etwas sehe, das mir nicht gefällt. Ich denke, das ist eine Gefahr für viele Single. Natürlich gibt es auch klare Grenzen, wo es richtig ist, den Kontakt abzubrechen.

Wie waren die ersten Kontakte?
Ruth: Wir haben einander gemailt, aber ich hab weder die Wohnregion noch andere Daten preisgegeben. Auch das Foto schickte ich erst nach einigen Mails. Interessant war, dass sich trotzdem fast nur Männer aus meiner Region meldeten. Drei Tage nach Erscheinen des Inserats hatte sich Dani schon bei mir gemeldet. Er weckte schnell mein Interesse. Wir tauschten bald unsere Telefonnummern aus und telefonierten dann öfters.

Dani: Weil Ruth sehr klar schrieb im Inserat, konnte ich auch gut darauf Bezug nehmen. Ich machte mir keine grossen Hoffnungen auf Erfolg, sondern ging es recht locker an. Die Telefongespräche waren für mich positiv, im Sinne eines netten Kontaktes. Aber die Schmetterlinge blieben auch da noch aus.

Wie verlief das erste Date?
Dani: Wir hatten ein Foto voneinander. Im ersten Moment hätte ich Ruth aber nicht erkannt. Ich war nach den Telefonaten zwar gespannt, ihr zu begegnen. Es war aber für mich zu Beginn ein normales Ausgehen mit einer Frau. Anfangs empfand ich das Gespräch etwas harzig; im Lauf des Abends hatten wir aber gute Gespräche, und Ruth wurde eine spannende Person.

Ruth: Gut drei Wochen nach dem ersten Mail trafen wir uns. Wir gingen essen miteinander. Es war schon etwas Besonderes, einander zu begegnen. Wir konnten bald sehr gut miteinander reden. Nach diesem Abend konnte ich nicht mehr schlafen. Ich hatte natürlich noch viele Fragen, aber gefühlsmässig hatte mich Dani bereits angesprochen. Das Prüfen war nicht mehr ganz so "nüchtern"!

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Ruth und Dani Wyss lassen die Sonne ins Herz.
War etwas anders, weil Ihr Euch über das Internet kennengelernt habt?
Dani: Es ist anders, als wenn man einander in der Gemeinde begegnen würde. Beide haben den Wunsch nach einem Du und wissen, es geht ums Prüfen für eine Partnerschaft. Man kann drum auch sehr direkt Fragen stellen über Dinge, die man sonst sicher nicht so schnell ansprechen würde, wie Kinderwunsch, die Einstellung zu Freundschaft, Ehe und so weiter. Wir finden, diese Art von Kennenlernen macht manches einfacher, auch wenn es zuletzt vielleicht ein Nein gibt. Die Situation ist klar.

Wann wusstet Ihr, dass Ihr ein Paar sein würdet? Woran habt Ihr das gemerkt?
Ruth: Wichtige Punkte haben von Anfang an gestimmt. Uns beiden ist unser Glaube und die Beziehung zu Jesus wichtig und das Leben nach seinem Willen. Wir konnten aber auch sehr offen miteinander reden. Auch über unsere Unterschiede, die recht gross sind, oder verschiedene Standpunkte und Meinungen. Wir konnten einander in unserem Anderssein annehmen und uns auch Freiraum zugestehen.

Auch diverse andere Dinge schienen unsere Beziehung zu bestätigen. Wir redeten schon sehr bald vom Heiraten, und nach vier Monaten entschieden wir uns, diesn Schritt noch im gleichen Jahr zu tun statt bis zum Frühling zu warten. Wir sind ja auch nicht mehr die Jüngsten; Dani ist jetzt 43 und ich 47. Uns war bewusst, dass eine Ehe Beziehungsarbeit ist und nicht einfach ein Himmel voller Geigen. Aber wir wollten dieses Wagnis eingehen im Wissen, dass Jesus mit uns geht.

Wie entwickelte sich Eure Beziehung?
Dani: Für mich war bald klar, dass Ruth die Frau ist, auf die ich so lange gewartet hatte. Für mich stimmte alles, was für Partnerschaft und Ehe wichtig ist. Für mich ist es ein Wunder, dass in meinem Alter die Frau, die zu mir passt, noch frei war und mir einfach so von Gott geschenkt wurde.

Ruth: Vom ersten Mail bis zur Hochzeit dauerte es knapp neun Monate. Schon beim dritten Treffen erklärte mir Dani seine Liebe und fragte mich, ob ich bereit wäre, wie Petrus mit ihm aus dem Boot zu steigen und auf Jesus zuzulaufen. Ich brauchte noch eine Woche, bis ich ja sagen konnte.

Wir hatten sehr intensive Monate zusammen, wo wir uns mit unseren Stärken und Schwächen gut kennenlernten. Neben Freundschaft, Verlobung und dem Vorbereiten der Hochzeit arbeiteten wir in einem Kinderlager mit und erlebten einen Todesfall in der Familie.

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Dani und Ruth in lichten Höhen - auch wenn es mal Probleme gibt.
Hat sich Eure Meinung über Beziehungsinseraten verändert?
Dani: Ich hatte nie eine schlechte Meinung darüber.

Ruth: Meine Meinung dazu veränderte sich mit dem Älterwerden, nicht durch das eigene Inserat. Fast alle Paare in meinem Umfeld, die einander im fortgeschrittenen Alter kennenlernten, sind via Inserat, Partnerschaftsvermittlung oder ähnlichem zusammengekommen.

Meiner Meinung nach gibt es letztlich nicht die eine Methode. Aber für Singles, die einen Partner kennenlernen wollen, sind Inserate eine gute Sache. Für uns ist es ein Geschenk Gottes und nicht etwas, das wir machen können. Die Zeit und vermutlich auch wir selber waren reif dazu.

Wie lebt Ihr heute?
Dani: Unsere Beziehung wächst. Wir erleben viel Schönes zusammen, aber auch, dass uns gerade das Schwierige zusammenschweisst. Durch unsere Stärken und Schwächen lernen wir voneinander. Ein respektvoller Umgang miteinander ist uns wichtig. Wir gestehen uns Freiraum und Anderssein zu, machen aber auch sehr viel gemeinsam. Wir merken auch, wie schnell ein Missverständnis entsteht und wie wichtig es ist, dies anzusprechen und auszudiskutieren.

Ruth: Die Tage sind sehr ausgefüllt. Wir sind beide berufstätig und auch in der Gemeinde aktiv. Trotz der langen Singlezeit haben wir uns erstaunlich schnell aneinander gewöhnt. Ich denke, das ist weil wir beide bereit sind, in die Beziehung zu investieren und den anderen achten und lieben. Aber letztlich ist auch das ein Geschenk.

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Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet.ch

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