Johner, der Revolutionär

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Umfallen – und wieder aufstehen: Philipp Johner
Sein Leben ist gespickt mit Dutzenden von Erfolgen und Misserfolgen. Heute berät Philipp Johner, 48, bekannte Persönlichkeiten. Der Psychologe und Coach hat Erfolg, und das nicht zu wenig. Ja, das sei durchaus wichtig, gesteht er gelassen; aber nur, wenn der Erfolg als Erfüllung erlebt wird.

Leger läßt sich Johner hinter seinem Schreibtisch nieder, streckt die Beine aus, und erzählt von seinem Vater. Ein eindrücklicher Mann sei er gewesen, habe nach dem Krieg Deutsche aus den Gefangenenlagern in französischen Betrieben untergebracht. Seine Taten seien zum Teil revolutionär gewesen. In den Sechzigern hat er als Theologe und Pfarrer katholische und reformierte Männer und Frauen getraut.

Die Fussstapfen des Vaters

"Mein Vater war ein Brückenbauer", meint Johner und schaut mir begeistert in die Augen. "Bei seiner Beerdigung kamen 300 Menschen. Sie haben mich angeschaut als sähen sie ihn in mir. Das gab mir das Gefühl, sein Auftrag lebe in mir weiter. Er starb an einer Hirnblutung. Ich war zum Todeszeitpunkt weit weg, auf Mauritius. Alle drei Tage geht ein Flug. Ich konnte da nicht weg. Er starb ohne mich. Ich fahre sonst nie so weit weg, schon gar nicht im Winter ans Meer."

Philipp geht den Weg seines Vaters, wollte in der Psychologie vieles erneuern, revolutionieren. In den 90er Jahren entwickelte er darin neue Wege und rief pionierhaft die Psychologie des Positiven ins Leben. Johner geht es um positive Veränderung, um die Freude an der Leistung, um die Transformation von Firmen zu Erfolgskulturen. 1990 gründete er aufgrund dieser Ideen die Manres AG im Zollikon, die bis heute erfolgreich Firmen aus der ganzen Schweiz coacht.

Mutter behielt immer kühlen Kopf

"Wie ich zu meinem Vater stand? Wir hatten uns nicht viel zu sagen, er war nicht oft zuhause. Meine Mutter hat uns Kinder erzogen. Sie ist eine wunderbare, starke Frau. Nach aussen hin war mein Vater erfolgreich. Wenn man ihn mit dem Fallschirm über einer fremden Stadt runtergelassen hätte, wäre er nach sechs Monaten mittendrin gewesen. Er hatte Menschen immer für sich gewonnen und konnte viel bewirken als Pfarrer, als Mensch. Doch zu Hause hatte meine Mutter das Sagen. Ich wurde zu einem richtigen Muttersöhnchen."

Seine Mutter hat sein Leben stark beeinflusst, klärte ihn über vieles auf und beantwortete alle Fragen. Stets behielt sie einen kühlen Kopf und war immer guter Laune, auch wenn es ihr schlecht ging. "Sie hat nicht Theater gespielt, wenn es ihr zuviel war. Sie hat dann einfach gesagt: `Kinder, heute will ich meine Ruhe, der Kühlschrank ist voll.` Sie hatte Glaube und Kraft gehabt und hat mir Dinge gesagt, die zehn Jahre später in der modernen Psychologie als Neuheit gefeiert wurden."

Erst spät ein richtiger Mann

Johner fühlte sich erst spät wie ein richtiger Mann. Mit 45, wie er behauptet. Ein Mann, der zentriert ist in der Autorität und sich wohl fühlt als Mann. 45 ist spät. "Ja, ich weiss. Meine zweite Frau half mir, zu mir zu finden. Meine erste Frau konnte mich aufwecken, gab mir den Anstoss, geschäftlich Erfolg zu haben."

Heute ist er in zweiter Ehe verheiratet, und lebt mit seinen vier Kindern in einem grossen Haus an der Goldküste des Zürichsees. Sein Geschäft läuft gut. Für Johner ist Erfolg wichtig, aber er muss mit Erfüllung korrelieren, wie er immer wieder hervorhebt. "Erfüllung ist, wenn ein Mensch seine Talente und Kräfte richtig und in einem für ihn positiven Umfeld einsetzen kann und damit dem grösseren Ganzen dient." Johner hält international für säkulare und kirchliche Institutionen Vorträge darüber, wie man erfolgreich werden und dies auch bleiben kann.

"Mein Vater sagte mir mal: ‚Philipp, der Sohn eines Freundes hat 30 000 Franken Bonus bekommen. Warum bekommst du das nicht? Ich antwortete: Vater, weißt du, ich bin der, der solche Boni verteilt.' Mein Vater hat lange nicht begriffen, wie erfolgreich ich bin. Er wollte es nicht sehen. Das tat mir weh."

Geben macht reich

Philipp Johner berät Grössen aus Sport und Wirtschaft und lässt sich das gut bezahlen. Er peilt aber auch den Normalverbraucher an, wenn er das Kader des Chefs in Seminare einlädt. Dort coacht er die Leute über das Normale hinaus, lehrt die Leute etwas Neues, wie er kühn behauptet, und macht ihnen klar, dass sogar der Verlust einer geliebten Person eine gute Chance fürs Leben sein kann. Johner meint es ernst. Dieser Mann kann gar nicht verlieren, geht einen durch den Kopf, weil er sogar dem grössten Verlust etwas Positives abringt.

"Geld verdienen ist wunderbar", erzählt er und ergänzt: "Hier in der Schweiz über Geld zu reden ist ein Tabu. Ich will dieses Tabu brechen. Ich habe erlebt, dass ich reich werde durchs Geben. Wie viele Autos habe ich bereits verschenkt?" Er weiss es nicht. Es sei wunderschön, Geschenke zu machen.

Ein anderer Teil seines Lebens war weniger schön. Johner verunglückte mit 17 Jahren, zeriss sich das Knie, jegliche Sehnen und Bänder, weil er beim Fussballspielen dummerweise in einer Baumwurzel hängen blieb. Monatelang lag er im Krankenhaus, wo sie ihn wieder zusammenflickten, und litt unter unerträglichen Schmerzen. Johner machte trotzdem die Matur, liess sich nicht beirren vom Gips und dem Rollstuhl.

Ein Olympia-Sieger

Später bekam er eine Invalidenrente zugesprochen, weil der eine Fuss gelähmt war. "Ich begann im Kopf aufzustehen, stellte mir vor, wie ich mit beiden Beinen laufe. Zehn Jahre später nannte man das in der Psychologie und im Sport ‚mentales Training'. Ich habe es damals gebraucht, um mich wieder aufzubauen." Anderthalb Stunden dauerte ein Schulweg an den Stöcken. Er hat ihn bewältigt. Johner fühlte sich wie ein Olympiasieger. Mitleid von Lehrern ertrug er schlecht. Er kämpfte lieber. Das mentale Training half ihm, wieder auf die Beine zu kommen. Mit 20 begann er mit Kickboxen, wurde fünf Jahre später Schweizer Meister und gleichzeitig Fünfter an der WM.

"Die Zukunft bestimmt den Erfolg von heute", sagt Johner selbstverständlich, als sei das doch total klar. "Ich habe mir vorgestellt, wie ich laufen kann, und so konnte ich es auch. Ziele zu setzen ist ganz wichtig im Leben, noch wichtiger aber ist es, den Weg dahin sinnvoll zu gestalten. Ich darf mich nicht überfordern, sonst erschüttert einen das Scheitern zu stark. `Grosse Träume, kleine Schritte` , sag ich oft. Ziele zu erreichen ist sehr wichtig, doch der Zweck ist genauso wichtig. Es ist besser, glücklich zu reisen, als anzukommen. "

Ob er denn auch vom Scheitern seiner Ehe zum Beispiel profitiert habe? "Weißt du, wenn ich umfalle, dann bleibe ich einfach mal liegen und schaue mich um. Ich kann da unten Neues, Wichtiges entdecken für mein Leben, kann davon profitieren. Ich darf aber nicht liegen bleiben. Sondern stehe wieder auf, gehe weiter, nutze meine Erfahrungen für meinen nächsten Erfolg. Ja, ich schlage Profit aus Niederlagen. Nicht das Umfallen ist eine Schande, sondern das Liegenbleiben."

Bei den Hells Angels

Johner schlug sich im Psychologiestudium als Fotomodel und Türsteher durch. Mit seinen 1,92 Metern hatte er in diesen Business gute Chancen. Nacht für Nacht wies er die Insider ins Lokal und versperrte dem Rest den Weg. Auch Drogen waren im Spiel.

"Unter der Woche an der Uni - was für mich der Horror war, weil todlangweilig - und am Wochenende in der Unterwelt der Langstrasse." Johner lernte einen Mann in der Szene kennen, genannt Röbi, ein Christ. Röbi schrie morgens um drei Johner von Jesus ins Ohr, mitten im Hells-Angels-Lokal. Jesus? Johner kannte Jesus schon aus seiner Vergangenheit. Doch sein Leben war irgendwie anders bestimmt, von Frauen, Drogen, Uni und "langweiligen" Büchern über Jung und Freud, die er nie zu Ende las.

Röbi schrie: "Ich glaube an Jesus Christus - und du?" Dann nahm er Johner mit nach Hause zu seinen Eltern, einem ältern Ehepaar. Er, ein bekannter Industrieller, sie eine Hausfrau und Mutter, die furchtlos christliche Traktate im Hells Angels Lokal verteilte. Johner: "Die Frau stellte sich vor die Männer in Leder, selbstbewusst, und drückte ihnen die Zettel in die Hand. Niemand hat gelacht. Alle haben die Zettel genommen. Diese Frau ist unglaublich stark."

Echtes Christentum

Johner schlief bei seinem Freund. Eine Freundin war auch noch dabei. - Am nächsten Morgen war Vorstandssitzung im Haus. Die Mutter von Röbi unterbrach die Sitzung und sagte den Herren: Pssst, nebenan schläft jemand. Röbis Freundin nebenan war ein Dirne, die ihren Rausch ausschlief. Seine Eltern wussten es, und trotzdem liebten sie ihren Röbi und seine Freundin. Das war für mich echtes Christentum. Hier erlebte ich die Liebe von Jesus eins zu eins."

Johner nimmt die Hände über den Kopf. Damals sagte er sich: Entweder ist dieser Jesus ein genialer Hochstapler, oder er ist wirklich Gottes Sohn. Ich will es rausfinden. - Die Regeln des christlichen Glaubens gingen für Johner auf. "Ich habe sonst nie etwas gehört, das aufging. Obwohl ich Astrophysik, Psychologie und Philosophie studiert habe." An einem Wochenende der IVCG, der Internationalen Vereinigung christlicher Geschäftsleute, betete Johner das erste Mal bewusst zu Gott und spürte einen völligen inneren Frieden.

Einen Tag später tauchte er in der Uni auf, und die Assistentin hat ihn nicht wiedererkannt. "Ich hatte offenbar eine total andere Ausstrahlung."

Kampf um Anerkennung

Johner schloss in Astrophysik, Psychologie und Philosophie ab. In der Psychologie wollte er etwas bewegen, wollte wie im Sport die Menschen auf Hochform bringen.
Schliesslich wurde seine fundierte, interdisziplinäre und erfolgsorientierte "Psychologie des Positiven" zum Auslöser seines eigenen Erfolgs. Seine Erfahrungen reicht er nun weiter. "Viele nutzen ihr Potential nicht. Meine Kunden wissen viel, können oder wollen es aber nicht richtig einsetzen. Der Mensch hat lieber das bekannte Unglück als das unbekannte Glück." Wer in sein Büro tritt, der muss erst mal seine alte Vorstellung von Erfolg über Bord werfen.

Johner baute die Manres AG auf, eine Beratungsfirma für Führungskräfte in Zollikon. Seit 15 Jahren ist er als Psychologe und Coach erfolgreich. Und trotzdem kämpft er noch heute manchmal um Anerkennung. Johner: "Ein Vater sollte seinen Sohn anerkennen, sollte ihm sagen: Du bist ein richtiger Mann geworden. Das ist wichtig für Männer, sonst strampeln sie ein ganzes Leben lang und kommen nicht an, können nie genügen." Spricht er da aus dem eigenen Leben?

Wertvolle Minuten

Seinen Kunden verrät er, was Erfolg und Erfüllung bedeutet: Ausleben von Potential und Talent im Team und privat, und zwar eingebettet in gute und nährende Beziehungen. Johner findet die Mankos bei grossen Wirtschaftsbossen in unglaublichem Tempo, wenn sie bei ihm im Büro sitzen. Er brauche manchmal keine zwei Minuten, um zu erkennen, wo der Hund begraben liegt. Zwei Minuten? "Ich muß nicht das ganze Leben eines Menschen kennen. Es genügt mir, seine Verhaltensweisen zu sehen; manchmal erkenne ich sie in wenigen Minuten."

Seit zwei Jahren coacht er einen Bankdirektor, der sich bei seinen Angestellten nicht durchsetzen konnte. Jemand, der Angst davor hat, bei den eigenen Leuten anzuecken. Johner bringt ihm bei, diesen Weg mental zu gehen, das Ganze im Kopf durchzuspielen, damit er es dann durchsetzen kann, wenn er Entscheidungen fällen muss. Führungskräfte beginnen so, aus ihrem Potential zu schöpfen. Somit profitiert auch das Unternehmen.

Spricht immer von Gott

Johner spricht frei von der Leber weg. Wieviel er denn selber von seinem Leistungspotential ausschöpfe? "77,87 Prozent", lacht er und schaut, ob ich schreibe. Er macht keinen Hehl aus seinem Leben und seiner Einstellung, erzählt frei von der Leber weg, betet auch häufig für seine Kunden und Coachings.Er meint, er könne nicht anders, und müsse immer von Gott erzählen.

Dieser Mann hat Erfolg wie im Bilderbuch, hat Partner, mehrere Angestellte und noch mehr Kunden. Johner wirkt nie müde, antwortet witzig und geistreich auf jede Frage, erscheint gleichzeitig ruhig und gefestigt. Nichts bringt ihn aus der Ruhe, ausser das Thema Vater: Ob er denn trotzdem Frieden geschlossen habe mit seinem Vater? "Ja, das habe ich. Aber erst als mein Vater kurz vor seinem Tod sagte: Ich bin sehr dankbar für den Sohn, den ich gehabt habe."

Datum: 17.04.2006
Autor: Iris Muhl
Quelle: Jesus.ch

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