Himmel und Hölle gesehen

Das erneuerte Leben einer „Niederträchtigen“

Sie war kaum auf der Welt, als ihr Vater sie umbringen wollte. Von ihrer Mutter wiederum wurde sie nur als die „Niederträchtige“ bezeichnet. Sie war unerwünscht, verhasst und erhielt in ihrer Kindheit kaum Liebe. Ihre Schwester Anna stiess sie eines Tages in eine mit Wasser gefüllte Aushebung, in der sie ertrank und ganze 27 Minuten lang tot war.

Nachdem sie wieder ins Leben zurückgerufen wurde, lag plötzlich wie ein himmlischer Abglanz auf ihrem Gesicht. Vor allem aber trug sie seit dann eine Botschaft in ihrem Herzen, die sie einer breiten Öffentlichkeit jetzt zugänglich machen will. Bruno Graber sprach mit ihr.

Bruno Graber: Frau Naegeli, vor wenigen Tagen erschien ihr Buch mit dem Titel ‚Ich wurde missbraucht: das Leben einer Niederträchtigen‘. Welcher Art war dieser Missbrauch?
Helene Naegeli:
Es begann damit, dass ich kein erwünschtes Kind war. Dies liess man mich in jeder Hinsicht spüren. Primär war es ein seelischer und religiös gefärbter Missbrauch, dem ich über Jahre hinweg ausgesetzt war. Darüber hinaus wurde ich auch noch in meiner Familie sexuell missbraucht.

Ist ihr Buch eine Art Abrechnung mit der Vergangenheit?
Einige werden den Eindruck haben, dass ich das Buch deshalb geschrieben hätte, um mir gewisse Dinge von der Seele zu reden. Dem ist jedoch nicht so. Mir geht es vielmehr darum, dass Christen endlich lernen transparent zu werden und nicht mehr all die negativen Dinge einfach so unter den Teppich kehren. Zudem glaube ich, dass meine heutige Offenheit für viele Leser eine grosse Hilfe sein wird.

Sie erwähnen in ihrem Buch, dass bei ihnen zu Hause nie über Probleme geredet wurde.
Richtig. Wenn ich Fragen hatte, so musste ich jederzeit damit rechnen, dass man mir diese mit Ohrfeigen auszutreiben versuchte. Mein Vertrauen in meine Eltern sowie zu den Erwachsenen wurde in der Kindheit gänzlich zerstört. Die fatalen Auswirkungen dessen, was man mir damals angetan hatte, kamen erst in den ersten Ehejahren so richtig zum Vorschein. In der Folge davon machte ich zahlreiche Selbstmordversuche, die mein Mann jedoch jedes Mal rechtzeitig vereiteln konnte.

Können Sie wenigstens heute mit ihrer Familie über die damaligen Probleme reden?
All meine Versuche, die Vergangenheit gemeinsam aufzuarbeiten, schlugen fehl. Mein Mann und ich passen nach wie vor nicht in die religiös gefärbten Strukturen, in denen meine ganze Verwandtschaft noch verstrickt ist. Ihre Sicherheiten, auf die sie setzen, sind rein gesetzlicher und äusserlicher Art. Das verbindliche Tragen von Kopftüchern in ihren Versammlungen, die richtigen Rocklängen und die aufgesteckten Frisuren zählen bei ihnen weitaus mehr als die Herzensbeziehung zu Jesus. Da mein Mann und ich uns ihrem religiös-gesetzlichen Druck nicht beugen, werden wir von ihnen seit jeher als gefährliche Irrlehrer eingestuft.

Sie schreiben unter anderem auch, dass sie eine spezielle persönliche Begegnung mit Jesus hatten. Wie ist das genau zu verstehen?
Nachdem meine eigene Schwester mich eines Tages in ein mit Wasser gefülltes Loch stiess, ertrank ich und war ganze 27 Minuten lang tot. Mein Geist und meine Seele wurden daraufhin sofort in den Himmel versetzt, während der tote Körper auf dieser Erde zurückblieb. Jesus zeigte mir daraufhin einen grossen Teil der himmlischen Herrlichkeit.

Sie sollen aber nicht nur den Himmel, sondern auch die Hölle gesehen haben?
Ja. Jesus erteilte daraufhin einem Engel den Auftrag, mir auch noch die schrecklichen Realitäten der Hölle zu zeigen. Das war ganz schlimm, ekelhaft und furchterregend. Ich hab das ja alles fein säuberlich im Buch niedergeschrieben. Als ich danach vom Engel wieder in den Himmel zurückgeführt wurde, fragte Jesus mich dreimal, ob ich dazu bereit sei, wieder auf diese Erde zurückzugehen und den Menschen seine Botschaft zu bringen. Er gab mir sein Versprechen, mich ganz mächtig zu seiner Ehre einzusetzen, worauf ich schliesslich einwilligte. Und so blies er mir nach 27 Minuten wieder den Odem seines Lebens ein.

Fürchten sie sich nicht etwas, mit so einem intimen Thema in die Öffentlichkeit zu treten?
Weshalb sollte ich mich vor der Öffentlichkeit fürchten? Jesus ist ja bei mir und ich habe inzwischen nichts mehr zu verbergen.

Sie sind inzwischen 44 Jahre alt. Weshalb bringen Sie diese Botschaft erst jetzt?
Ich war erst 20 Monate alt, als ich ertrank. Niemand kann sich jedoch soweit zurück erinnern, was damals mit ihm geschah. Im Sommer 2002 begegnete mir Jesus in einer Vision, als ich in Neapel im Meer badete. Während einer ganzen Stunde sprach er zu mir und zeigte mir nachträglich auf, was damals im Alter von 20 Monaten mit mir passierte. Es war eine derart starke Vision, die inzwischen nicht nur zur kompletten Lösung all meiner bisherigen Probleme beitrug, sondern mein bisheriges Leben radikal veränderte. Ich durfte in die Augen von Jesus sehen. Diese enorme Liebe und diese Heiligkeit, die seine Augen ausstrahlten, kann man unmöglich mit Worten wiedergeben. Sein warmer und herzlicher Blick durchdrang meine sämtliche Lebensbereiche. In diesem Augenblick fiel alles bisherige Negative ganz von mir ab.

Was war ihrer Ansicht nach der Grund, dass Jesus erst im Sommer 2002 zu ihnen sprach?
Das göttliche Timing ist anders als das menschliche. Es gab erst einen längeren Lebens- und Lernprozess, den ich durchmachen musste. Wir Menschen erkennen oft erst im Nachhinein, warum Gott die jeweiligen Lebensgeschichten mit entsprechender Verzögerung ablaufen liess. Trotzdem darf ich heute feststellen, dass all die dunklen Punkte, die ich erleben musste, mir inzwischen zum Segen geworden sind.

Was möchten Sie den Leuten noch sagen?
Mein Anliegen ist es, die Menschen aufzurütteln und ihnen die Heiligkeit Gottes vor Augen zu führen. Wir können in unserem Herzen und in unserer Seele nur dann heil werden und ganz gesunden, wenn Jesus Christus den ersten Platz in unserem Leben einnimmt. Deshalb wird es auch weiterhin mein erstes Anliegen sein, meine Mitmenschen mit seiner Liebe und seiner Vergebung zu konfrontieren. Denn nur auf diesem Weg gibt es eine echte Heilung. Das habe ich selber erlebt.

Und heute? Würden Sie sich als glücklich bezeichnen?
Auf alle Fälle. Viele Leute, die mich über Jahre hinweg kennen, sagen: „Du bist ja völlig verändert! Du bist viel selbstbewusster geworden und strahlst nun eine innere Ruhe und Geborgenheit aus. Zudem kann man sehen, wie jegliche Form von Angst und Enttäuschung bei dir verschwunden ist.“ All diese Veränderungen verdanke ich nur Jesus, dessen Liebe mich nun täglich immer wieder neu erfüllt.

‚Ich wurde missbraucht: Das Leben einer Niederträchtigen‘
Autorin: Helene Naegeli
144 Seiten, Franken 19.80
ISBN 3-907104-05-6
Mehr Infos und Bestellmöglichkeit unter www.uhn.ch

Datum: 24.01.2004
Autor: Bruno Graber
Quelle: Livenet.ch

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