Eine Türkin erzählt

Ein riesiges Geschenk

Derya ist Türkin – und Christin. Sie gehört in ihrem Land zu einer winzigen Minderheit. Wie kam sie dazu, auf Christus zu vertrauen und ihr Leben auf ihn auszurichten?

Ich wuchs in einer durchschnittlichen muslimischen Familie auf, die zwar nicht fastete und zur Moschee ging, aber doch wünschte, dass ich den Koran arabisch lesen konnte. Wir lebten in Konya, einem der grossen religiösen Zentren des Landes. Als ich elf war, liessen sich die Eltern scheiden. Mein Vater zog weg; ich und mein Bruder blieben bei der Mutter. Ich hatte nicht viele Freundinnen. Mit 18 ging ich an ein College, aber konnte dort nicht heimisch werden. So wechselte ich in eine andere Stadt.

Ich suchte eine Arbeitsstelle. Da las ich, dass eine Ausländerin eine Sprachlehrerin brauchte. Durch diese Frau, eine Christin, erfuhr ich von Jesus. Wir hatten in der Oberstufe etwas aus dem Neuen Testament gelesen. Aber ich hatte damals bewusst gar keinen Glauben. So wie ich den Islam ablehnte, meinte ich, auch das Christentum nicht nötig zu haben. Ich ging davon aus, die beiden Religionen seien gleich anzusehen.

Während drei Jahren bekam ich immer mehr von Jesus mit in diesen Gesprächen mit der Ausländerin. Aber ich war so eigensinnig, dass ich sie herausforderte, mir alles wissenschaftlich hieb- und stichfest zu beweisen. Am Ende dieser Zeitspanne war ich überzeugt, dass Jesus der Sohn Gottes war, der Mensch wurde – aber ich zog daraus für mich keine Konsequenzen. Es war, als würde ich sagen: Was solls?

An der Uni hatte ich den ‚Grossinquisitor’ im Roman ‚Die Brüder Karamasow’ von Dostojewskij zu bearbeiten. Als ich diesen Text las, ging mir auf, dass wir Menschen gefallen sind aus eigenem Wollen – dass dies nicht Gottes Fehler ist. Wir haben diesen Weg der Sünde gewählt. Und Gott liebt uns trotz allem.

Nun wusste ich, dass ich einen Schritt tun sollte: Christin werden. Ein grosser Schritt in der Türkei. Die Leute reagieren darauf, als würde man sich von ihnen abwenden. Fast alle haben harte Vorurteile gegenüber dem Christentum. Ich zögerte, den Schritt zu tun, auch weil meine Familie es als Schande empfinden könnte.

Als ich endlich meiner Mutter sagte, was ich vorhatte, meinte sie, sie werde es vor den Verwandten geheim halten. Sie wollte nicht meinetwegen ausgeschlossen werden. Im Unterschied zu anderen Eltern, die den Jugendlichen verbieten, zur Kirche zu gehen oder die Bibel zu lesen, kümmerten sich meine geschiedenen Eltern allerdings wenig um meine religiöse Entwicklung. Ich war froh darüber!

Durch meine Lektüre und den Kontakt mit der Frau hatte ich die Überzeugung gewonnen, dass Jesus die Wahrheit sagte. Ich wusste es im Kopf, aber bis zum Herzen war es noch nicht vorgestossen. Entscheidend war dann für mich, dass ich zwei christliche Familien kennenlernte. Die Partner gingen anders miteinander um, als ich es gewohnt war: Sie liebten und achteten einander und sorgten fein für ihre Kinder. Warum schafften sie dies? fragte ich mich. Wir haben in der Türkei wegen der Hierarchie der Geschlechter grosse Nöte, gewaltige Familienprobleme.

So fasste ich schliesslich den Entschluss für Jesus. Wenn er wirklich der Herr war, würde ich in den Himmel kommen – und sonst eben sterben. Ich wollte es riskieren. Eine Woche kämpfte ich mit mir.

Eines Tages hatte ich auf dem Weg zur Universität den Eindruck, als sähe ich zwei riesige Hände, die mir ein Geschenkpaket überreichten. Ich kam mir mit meinen kleinen Spielsachen sooo klein vor – und wagte doch, den Geber abzuweisen, das Geschenk abzulehnen! Als ich darüber nachdachte, fand ich mich so einfältig, echt dumm. Am folgenden Tag wurde ich Christin.

Das war vor 15 Monaten. Ich habe seither vielen Freundinnen von Jesus erzählt. Erstaunt fragten sie mich: „Wirst du jetzt Missionarin?“ „Willst du Nonne werden?“ Aber in Gesprächen lassen sich die meisten den Glauben erläutern; sie sind recht offen, wenn ich darüber rede.

Datum: 21.01.2004
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet.ch

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