Mutter mit 16

Wie andere auch ...

Mit 16 bekam Karine Burkhardt ihr Baby. Doch ihre Schulkolleginnen nervten sich, wenn die stolze Mutter von ihrer Mélissa erzählte. Darum gründete die Westschweizerin einen Verein für junge Mütter.

«Ich sagte in der Schule: Ich bin stolz, meine Tochter hat heute das und das gemacht», schaut Karine Burkhardt zurück. «Eine Freundin kam dann zu mir und sagte: Ich mag es, wenn du von Mélissa sprichst. Aber die andern nervt es.» Karin Burkhardt hatte niemanden in ihrem Alter, mit dem sie über Babys austauschen konnte. «Meine Mutter sagte, ich solle eine andere junge Frau finden, die in der gleichen Situation ist wie ich.» Nach vier Monaten fand sie dann eine 18jährige Mutter. Das sei gut gewesen; eine 16-Jährige habe sie aber nicht gefunden. «Ich suchte eine, die noch minderjährig ist. Denn da ist man zwar Mutter, aber anders gestellt, als wenn man bereits volljährig ist.»

Junge diskriminierte Mütter

Burkhardt gründete dann einen Verein, der Teenager-Mütter miteinander in Kontakt bringt. «Wir sind da für Mütter zwischen 14 und 24 Jahren. Die Leute warten ja heute bis 28, und die jüngeren haben noch keine Freundin, die bereits Mutter ist.» Über ihre französischsprachige Webseite kommen inzwischen junge Mamis aus der Schweiz, Frankreich, Belgien und Kanada in Kontakt miteinander. Unter anderem sei eine Hebamme dabei, die kostenlos Fragen beantwortet.

Zweimal pro Jahr organisiert der Verein einen öffentlichen Anlass in der Westschweiz. «Dort diskutieren wir über alles, auch über Probleme. Zum Beispiel böse Blicke. Junge Mütter werden von der Gesellschaft diskriminiert. Für manche ist das sehr schwer. Da ist es gut, wenn man darüber sprechen kann.»

Karriere mit Baby(s)

«Die Matur habe ich gemacht, als Mélissa dreijährig war», sagt die heute 22-jährige Frau. «Im Sommer folgt eine Stage, und dann studiere ich an der Hochschule Sozialwissenschaft.» Ein Studium mit Baby gehe halt statt drei Jahren fünf bis sechs Jahre, da man es teilzeitlich tun müsse. «Wichtig ist, dass man als junge Mutter etwas macht. Ich habe Freundinnen, die mit 16 Jahren Mutter wurden und dann mit dem Beruf warteten, bis das Kind im Kindergarten war. Das kann auch eine Lösung sein. Wichtig ist, dass man nicht auf seine Projekte verzichtet, sondern dass man sie einfach später realisiert.» Es sei nie zu spät. «Eine 30-jährige Mutter sagte mir, sie habe ihr Kind mit 15 gekriegt. Ihr Leben sei kaputt. Ich fragte sie, warum sie nicht eine Lehre beginne. Es sei nie zu spät. Man darf Türen, die offen sind, nicht selber verschliessen.»

In die Politik

Politisch will Burkhardt nun ebenfalls aktiv werden. «Bevor ich Mélissa kriegte, wollte ich Juristin oder Ökonomin werden. Dann entdeckte ich die Sozialwissenschaft.» Und über die will die inzwischen dreifache Mutter Änderungen bewirken: «Während eine Studentin keine Probleme hat, ihr Studium fortzusetzen, hat es eine Frau an einem Lehrplatz schwierig. Sie arbeitet im Betrieb und ist einen Tag in der Schule.» Da werde der Zeitplan eng, und es könne Druck vom Arbeitgeber geben. «Es ist schwieriger als für eine Studentin. Darum wäre es gut, wenn man in solchen Fällen die Lehre verlängern oder einen Tag weniger arbeiten könnte. Denn dass die Lehre beendet wird, ist sehr wichtig.»

Ihr Verein sei weltanschaulich neutral, sagt die Christin, die in Bulle im Kirchenchor gesungen und sich in der Jugendgruppe engagiert hatte. Ob es den Verein auch geben würde, wenn sie nicht Christin wäre, weiss sie nicht. Zusammen mit ihrem Mann wolle sie demnächst einen Alphalive-Kurs besuchen.

Kontakt: www.jeunesparents.ch , Telefon: 026 913 93 84


Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet.ch

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