Saymon Kuziem

«Dieses Gefühl war einfach plötzlich da»

Saymon Kuziem (24) ist Hip-Hop-Musiker mit angolanischen Wurzeln. Für das Projekt Prison Hope besucht er Jugendliche im Gefängnis.

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Saymon Kuziem
Geglaubt habe ich schon immer. Ich bin in einer christlichen Familie aufgewachsen, habe alles gehört. Von Jesus habe ich zwar gewusst, doch eine Beziehung zu ihm hatte ich nicht. Als «The Kuziem Singers» macht unsere Familie seit Generationen Gospelmusik. Geboren wurde ich in Brasilien, doch als ich vier war, zogen wir in die Schweiz. Darum spreche ich auch vier Sprachen: Schweizerdeutsch, Französisch, Portugiesisch und Lingála, eine kongolesische Sprache.

Früher habe ich immer gesehen, wie der Glaube meinen Eltern und meinen Geschwistern wichtig war. Ich wusste, dass es Gott gibt, aber eine Beziehung zu Jesus hatte ich nicht. Zwar habe ich es versucht, doch ich fand es anstrengend und uncool. Ich fühlte mich ein wenig wie ein Aussenseiter, war ständig an Partys, kiffte viel. Das hat mich auch von meinen Eltern entfremdet. Ich habe mich nirgendwo wohl gefühlt, bei niemandem. Ich habe nicht mehr gerne mit meiner Familie gesungen. Abends ging ich auf Partys und am nächsten Tag sang ich mit der Familie. Dieses Doppelleben war hart und ich wusste, es geht nicht auf. Ich lebte in zwei Welten.

Der 7. September 2008

An das Datum meines Wendepunktes kann ich mich genau erinnern. Es war der 7. September 2008. Ein Freund hat mich in die Streetchurch mitgenommen, um dort in einem Jugendgottesdienst zu singen. Ich habe nichts Grossartiges erwartet, doch nach diesem Abend hatte ich den Drang, mein Leben mit Jesus zu führen, ihm in jedem Teil meines Lebens zu dienen. Dieses Gefühl war einfach plötzlich da.

An diesem Abend bin ich auch Markus Giger, dem Leiter der Streetchurch, das erste Mal begegnet. Er hat mich eingeladen, mit ihm im Jugendgefängnis einen Nachmittag zu gestalten. Dort haben wir mit den Jugendlichen gesprochen und ich habe ein paar Lieder gesungen. Daraus entstand das Projekt Prison Hope. Dort mache ich als Saymo’K Musik und besuche mit Markus Jugendliche im Gefängnis.

Im Gefängnis wird das Thema Glaube plötzlich wichtig. Es ist ein Ort, wo Jugendliche sehr nah bei Gott sind. Beim Thema Religion sind die Jugendlichen zu Beginn meist skeptisch, doch wenn sie uns kennen, sind sie offen für alles Mögliche.

In meiner Musik ist der Glaube zentral. Zum Schreiben der Songs brauche ich immer recht lange, finde ich, aber ich mache es trotzdem. Ich schreibe, was mir gerade durch den Kopf geht. Bei komplexen Themen suche ich in der Bibel nach Ideen. Dass ich über religiöse Themen singe, wird eigentlich überall akzeptiert. Es gibt sicher auch die, die damit nichts anfangen können, die das kritisieren. Wer mich kennt, hat damit kein Problem. Eigentlich geht es immer über das Persönliche. Erst wenn man einen Menschen kennt, kann man ihn auch akzeptieren.

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Datum: 17.05.2013
Autor: Patricia Dickson
Quelle: Reformierte Presse

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