Patricia Kelly

In meiner Krise fand ich Gott

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«Eine Beziehung zu Gott muss man genau so pflegen wie eine Beziehung zu Freunden»: Patricia Kelly.
16 Millionen verkaufte Tonträger, 48 Gold- und Platinauszeichnungen, ausverkaufte Stadien und Millionen von Fans: In den 90er Jahren hatte die Kelly Family den ganz grossen Erfolg. Doch der hatte auch seine Schattenseiten. Wir trafen Patricia Kelly und wollten wissen, wie das Leben als Star so ist.

Wie fing das an mit der Kelly Family?
Eigentlich ganz einfach. Anfangs haben wir nur für uns zu Hause musiziert, innerhalb der Familie, aus Freude aus Lust. Und dann fing es an, dass wir für Hochzeiten und Geburtstage angefragt wurden. Das wurde immer mehr, bis mein Vater eines Tage sagen musste, er kann so seinen Beruf nicht mehr ausüben. Er muste sich zwischen seinem Beruf und Musik mit der Familie entscheiden. Und wir wollten unbedingt Musik machen. Da hat er seinen Job als Antiquitätenhändler aufgegeben, obwohl man wirklich sagen muss, dass er das sehr gern gemacht hat.

Wie kamt ihr auf die Idee, auf der Strasse zu singen?
Das kam später. Wir sind auf Reise gegangen und unsere erste Station war Rom. Unser Vater hatte als junger Mann im Gregorianischen Orden studiert und wollte damals Priester werden, vor seinem letzten Gelöbnis ist er aber ausgestiegen. Und er wollte uns die Stadt zeigen. Wir kamen also mit unserem kleinen Bus nach Rom und schauten uns das Kolosseum an, und da wurde unser Bus ausgeraubt. Das Geld war weg, unsere Kamera, alles weg. Wir hatten nur die Instrumente bei uns. Da sagten wir uns, wir können nur noch singen. Und so haben wir angefangen, auf der Strasse in Rom zu singen. Tatsächlich bekamen wir so viel Geld dafür, dass wir uns dachten: Okay, wir machen das weiter und so haben wir sogar die Reise weitergeführt. Ohne vorher noch mal nach Hause zu fahren, sind wir nach Wien gereist, nach Amsterdam, nach München... zweieinhalb Jahre lang durch Europa. Es war eine sehr, sehr schöne Zeit.

Wie ist es, als Kind in einem Bus zu leben?
Ich muss sagen, ich habe wunderschöne Erinnerungen. Ungelogen. Unser VW-Bus wurde irgendwann zu klein und dann hatte mein Vater die Idee mit dem Doppeldeckerbus aus London. Er hat ihn selbst mit dem Schriftzug „The Kelly Family“ bemalt. Für mich war das eine Traum-Kindheit, ich liebte es zu reisen. Wir sassen immer oben im Doppeldeckerbus, haben vorne rausgeguckt und bei jeder Brücke laut gekreischt. Es war wirklich eine wunderschöne Kindheit. Wir haben viele Erfahrungen gesammelt, viele Menschen und Kulturen kennen gelernt. Und dafür bin ich sehr, sehr dankbar.

Und von der Strasse weg kam Mitte der 90er plötzlich der grosse Erfolg...
Am Anfang war das unglaublich. Wow, es war verrückt, wie ein Traum. Es war eine sehr aufregende Zeit, aber es wurde für mich und für die meisten meiner Geschwister sehr schnell sehr negativ. Man muss mit Erfolg umgehen können. Ich merke jetzt mit dem Alter, dass man eine gewisse Distanz zu Dingen hat und eine gewisse Reife, man kommt mit Situationen besser klar. Wir waren einfach sehr jung. Und wir haben damals sicherlich einige Fehler gemacht. Aber es war alles so neu und so unbekannt. Es war für mich eigentlich eine sehr schwierige Zeit und ich bin sehr froh, dass das vorbei ist.

Was war so belastend für Sie? Die meisten träumen davon, ein Star zu sein.
Es drehte sich alles nur noch darum: Wie viele Konzerte? In welchem Land sind wir Nummer eins oder zwei in den Charts? Wie viele Platten haben wir verkauft? Welches Video wird gedreht? Und irgendwann ist alles andere zweitrangig. Freundschaften, Glaube und so weiter. Und du fühlst dich unglücklich und unerfüllt und du weisst gar nicht, warum. Du strebst immer nach mehr und dann merkst du irgendwann, dass du total unglücklich bist.

Dann wurden Sie auch noch krank. Eine schwere Rückenmarksentzündung mit Lähmungen.
Ich sehe das als Geschenk Gottes. Es ist hart so was zu sagen, denn ich habe körperlich sehr darunter gelitten. Und anfangs war es auch sehr schwierig. Aber ich muss sagen, ich bin dadurch wirklich Gott begegnet. Ich musste ja irgendwas finden. Ich war gezwungen. Ich war im Bett, ich konnte mich nicht um die Charts- Position kümmern und um die Stadiontourneen. Ich war damals Managerin und hatte die Familie sieben Jahre lang gemanagt, zusammen mit meinem Vater. Ich war in einer hohen Position. Ich hatte als Frau eine tolle Karriere gemacht. Wir hatten zweihundert Mitarbeiter und ich hab das alles geführt, zusammen mit meinen Brüdern und Schwestern. Ich hatte viel Macht. Aber in mir war eine unheimliche Leere.

Zum Beispiel meine Freundschaften hab ich gar nicht gepflegt. Das hab ich alles erst gemerkt, als ich krank wurde. Und hab dann auch gemerkt: Wo ist mein Glaube geblieben? Wo ist meine Beziehung zu Gott? Eine Beziehung zu Gott muss man genau so pflegen wie eine Beziehung zu Freunden. Und wenn ich meine Freundin fünf Jahre lang nicht anrufe, und mich dann plötzlich melde, dann denkt sie: „Ja wer bist du denn überhaupt?“ oder “Was willst du von mir?“ - Naja, ein guter Freund würde das nicht machen und Gott auch nicht, Gott sei Dank!

Wie hat sich Ihr Glaube durch die Krankheit verändert?
Ich habe mir erst mal Zeit genommen. Zum Beten. Das Wort Gottes zu lesen. Sei es Literatur zur Bibel oder die Bibel direkt. Am Anfang fiel es mir bisschen schwer, die Bibel direkt zu lesen. Aber ich hatte Zeit. Und ich glaube, dass Gebet sehr wichtig ist. Man vertieft die Beziehung zu Gott. Deswegen kann ich sagen, dass ich für diese Krankheit dankbar bin, weil sich meine ganze Lebensrichtung dadurch verändert hat. Die Prioritäten sind anders geworden. Es ist gut, Erfolg zu haben, und es ist nicht schlecht, bekannt zu sein. Nur welche Priorität das im Leben hat, das ist der Punkt. Ich habe feststellen müssen, dass der Mensch nicht stark ist, auch starke Menschen nicht. Beim christlichen Gott Jesus kann man auch schwach sein. Und das hat mich so berührt, da dachte ich: Es ist okay, ich kann, ich darf schwach sein. Ich bin schwach und Gott liebt mich trotzdem.

Links zum Thema:
Patricia Kelly tourt derzeit mit selbst geschriebenen Songs und ihrem Solo-Album durch Deutschland. Mehr Infos auf www.patricia-kelly.com
Das Interview wurde in der TV-Sendung "Gott sei Dank!" geführt (ERF Medien, www.gottseidank.tv )


Autor: Miriam Hinrichs
Quelle: Jesus.ch

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