Adrian Fricker

Vom Zeichnen mit Licht zum Licht

Rekrut Fricker, gehen sie sofort ins Kompaniebüro. Telefon von einer Zeitung. So lautete der Befehl meines Leutnants. Ausser Atem dort angekommen, ergriff ich den Hörer. Daraus ertönte es laut, klar aber trotzdem fast unglaublich...

Erlebnisbericht von Adrian Fricker

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Der kleine Unterschied
"Der kleine Unterschied"
1. Preis, Kategorie Mensch,
Schweizer Illustrierte, 1980

"Rekrut Fricker, gehen sie sofort ins Kompaniebüro. Telefon von einer Zeitung." So lautete der Befehl meines Leutnants. Ausser Atem dort angekommen, ergriff ich den Hörer. Daraus ertönte es laut, klar aber trotzdem fast unglaublich, "sie haben den ersten Preis bei unserem nationalen Foto Wettbewerb gewonnen..." Jener glückliche Tag füllte nicht nur das Portemonnaie für eine Weile, sondern auch mein Leben. Aber eben, nur für eine Weile. Fotografie, das 'Zeichnen mit Licht', war eines der Dinge, mit welchen ich die Leere meines Daseins zu bereichern suchte. Wie die meisten Menschen war auch ich nach der Suche nach mehr. Mein Schnappschuss 'Der kleine Unterschied' machte darin tatsächlich nur einen kleinen Unterschied.

Wer viel erreicht und besitzt, merkt bald, dass solche Dinge das Leben nicht glücklicher machen. Ich bin zusammen mit zwei älteren Brüdern in einer katholischen Mittelstandsfamilie im Aargauischen Reinach aufgewachsen. Meine Kindheit könnte man kurz etwa so beschreiben: Meningitis warf mich mit zwei Jahren zuerst aufs Sterbe- und dann mehrere Wochen aufs Krankenbett. In dieser Hilflosigkeit bekam ich viel Aufmerksamkeit von meinen Eltern. Damit lässt sich gut leben. Ich hatte wahrscheinlich den Eindruck, dass man nichts besonderes von mir erwartete. Schliesslich waren alle froh, dass ich überlebte. Könnte das eventuell der Grund sein, weshalb ich nie sonderlich darin interessiert war, der Beste zu sein? In der Primar- und Sekundarschule trugen auf alle Fälle meistens nur meine Mitschüler zur Freude der Lehrer bei. Die religiöse Erziehung ging ziemlich spurlos an mir vorüber. Nur meine Grossmutter war eine überzeugte Anhängerin der römisch-katholischen Kirche.

1975 begann ich eine 4-jahrige Lehre als Offsetkopist-Andrucker. Während meiner Ausbildung schmiedete ich Zukunftspläne. Alles sollte so leicht und angenehm wie möglich sein. Da ich jedoch nie so ganz zufrieden mit meinen Vorstellungen war, fragte ich mich bald nach dem wirklichen Sinn des Lebens. Mit 19 Jahren suchte ich zum ersten Mal bewusst nach einer Antwort. In einem Buch über UFOs war zu lesen, dass diese Objekte von anderen Welten kämen, die auch durch Yoga Übungen erreicht werden könnten. Eine neue, faszinierende Welt bereicherte meine Gedanken.

1979 bestand ich meine Abschlussprüfungen mit sehr guten Noten. Diese reflektierten allerdings überhaupt nicht die Lehrzeit, welche sich beinahe zu einem Alptraum entwickelte. Hätte mir mein Vater nicht sehr ernsthaft ins Gewissen geredet, wäre ich wahrscheinlich im Examen, mangels Motivation durchgefallen. Zusammen mit drei Freunden fuhr ich nachher einen Monat lang mit dem Zug quer durch Europa. Wir genossen die Freiheit sehr, vor allem, weil wir wussten, dass nachher die Rekrutenschule folgen würde. Dort traf ich praktizierende Christen und wir diskutierten ab und zu über das Thema Religion. Der biblischen Entstehungsgeschichte konnte ich jedoch keinen Glauben schenken, da ich mir die Antwort nach dem Ursprung des Lebens viel komplizierter vorstellte.

1980 trat ich in Bern meine erste Arbeitsstelle an. Im Gespräch mit einem Kollegen fand ich heraus, dass er Yoga praktizierte. Er machte mich aufmerksam auf das Buch 'Verkehr mit der Geisterwelt Gottes', geschrieben von Johannes Greber, einem katholischen Pfarrer. Dieser berichtete, dass er einen spiritistischen Zirkel in seiner Gemeinde besucht habe, wo Engel Gottes sich offenbart hätten. Gemäss seinen Aussagen haben diese Wesen ihm mitgeteilt, dass die Bibel Fehler beinhalte. Im Gegensatz zu mir glaubte die Kirche Greber nicht und enthob ihn seines Dienstes. Meinem neuerworbenen Religionsgemisch zufolge war es jedem möglich, durch gute Werke und verschiedene körperlichen Wiedergeburten hindurch, ein ewiges Leben mit Gott zu erreichen. Gutes tun, das sollte mein neuer Lebensinhalt werden. Dies war jedoch einfacher gesagt als getan.

1981 entschloss ich mich, eine christliche Sprachschule in England zu besuchen. Zusammen mit meinen neuen Freunden besuchte ich Gottesdienste. Während dieser Zeit begann ich meine eigene Glaubenseinstellung zu hinterfragen. Hatten sich am Ende wohl böse Geister dem Pfarrer Greber geoffenbart? Eines Tages kam ich mit einem meiner besten Freunde darauf zu sprechen. Er gab mir Bücher zu lesen. Wir beteten, dass Gott mir eine Antwort auf diese Frage geben würde. Kurze Zeit später las ich eine ernsthafte Warnung vor Irrlehrern in der Bibel: "Denn sie sind falsche Apostel, Betrüger, die lediglich behaupten, sie seien Botschafter Christi. Und das ist nicht einmal erstaunlich! Gibt sich nicht sogar der Satan als Engel Gottes aus? Es ist also kein Wunder, wenn auch seine Helfer als Diener Gottes auftreten. Doch ihr Ende wird ihren Taten entsprechen." (2. Korinther 11: 13-15)

Was nun folgte ist nur schwer in Worte zu fassen. Tief getroffen fiel ich zum ersten Mal in meinem 22-jährigen Leben auf die Knie zum ernsthaften Gebet. Mit einem Schlag wurde mir klar, dass es sich bei den sogenannten 'Engeln', welche dem Pfarrer begegneten, eindeutig um Diener Satans handelte. Plötzlich begann ich das biblische Evangelium zu verstehen. Gott ist heilig. Sünde trennt uns von ihm. Jesus ist in diese Welt gekommen, um unsere Schuld auf sich zu nehmen. Aus Liebe hat er dafür mit seinem Tod, durch sein Blut bezahlt. Am Kreuz wurde Gottes Verlangen nach absoluter Gerechtigkeit und Liebe zufriedengestellt. Einige meiner selbstsüchtigen Tiefpunkte kamen in meine Erinnerung. Jedes Mal, wenn ich etwas bekannte und um Vergebung bat, schien es, als ob ein schwerer Stein von meinen Schultern gehoben würde! Von der Befreiung der Last so stark berührt, lud ich Jesus in mein Leben ein und übergab es ihm völlig. Endlich kannte ich die Antwort auf die Sinnfrage: Eine persönliche Beziehung mit Gott zu haben, darin zu wachsen und Ihn allein gross zu machen. Das sollte von nun an mein Lebensinhalt sein. Jesus fasste ihn so zusammen: "Ihr seid das Licht, das die Welt erhellt." (Matthäus 5:14)

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Adrian Fricker
Seit jenem 19. August 1981 hat sich mein Leben grundsätzlich verändert. Jetzt habe ich Gewissheit, durch Jesus von Gott und denen die ihm nachfolgen total akzeptiert und angenommen zu sein. Dadurch bin ich frei für andere zu leben, nicht mehr für mich selbst. Den früheren, beschämenden Lebensstil habe ich beendet. Das ermöglicht ein 'Schwimmen gegen den Strom dieser Welt.' Nun habe ich eine positive Rolle im Abenteuer Gottes mit uns Menschen. Es kommt keine Langeweile mehr auf. Freude und Schmerzen liegen darin nahe beieinander. All das führt zu einer wachsenden Gottes- und Selbsterkenntnis. In seinem perfekten Licht bin ich sündig, elend und absolut hilflos. Nur durch ständige Hinwendung zu Jesus kann ich vor ihm bestehen. Das Evangelium allein machte mich zum Licht. Der tägliche Besuch der "guten Nachricht" (lesen in der Bibel) allein macht ein Leuchten an Gottes Stelle möglich.

Datum: 29.03.2002
Autor: Adrian Fricker

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