Nahost-Friede beginnt im Kleinen

«Wir sprechen von nur noch einem Blut»

Blut kennzeichnet den Weg von Taysir Abu Saada und Moran Rosenblit. Der eine war Scharfschütze der PLO, der andere verlor bei einem einzigen Terroranschlag sieben Freunde. Dieses Blut trennte sie, ein anderes führte sie zusammen.

«Es war einige Zeit nach meinem Militärdienst. Ich machte mich gerade auf zu meinem DJ-Einsatz in einem Nachtklub, da hörte ich in den Nachrichten, dass wieder ein Soldat umgebracht wurde», schildert Moran Rosenblit. «Später wurde sein Name genannt. Es war wieder ein Freund von mir!» Damals war für Rosenblit nur ein toter Araber ein guter Araber. Auch wenn sich die Gewaltspirale im Nahen Osten weiterdreht – sein eigener Hass ist inzwischen gewichen. Gemeinsam mit Taysir Abu Saada ruft er heute zur Versöhnung auf.

Livenet: Moses hatte sein Volk in die Freiheit geführt. Kommen Sie beide sich auch so vor?
Moran: Wir wollen Freiheit für unsere Leute. Und wir glauben, dass der einzige Weg dazu in Jesus Christus besteht. Wenn du ihn in deinem Leben akzeptierst, dann bist du frei, dann kannst du lieben. Dann kannst du anderen vergeben und lernen, sie zu lieben und für sie zu beten. Das musst du dann machen. Vor drei Jahren, als ich bereits an Jesus geglaubt habe, hab ich mich eigentlich nicht um meine arabischen Brüder gekümmert. Bis ich meinen Bruder Taysir kennenlernte. Da heilte Gott mein Herz.

Diese Begegnung war entscheidend, dass ich meine arabischen Brüder heute lieben und ihnen vergeben kann. Ich kann tatsächlich für sie beten, mit ihnen zusammenarbeiten und mit ihnen das Brot brechen. Ja, dafür musst du an Jesus glauben und dann seine Gebote halten, und das bedeutet zu lieben und zu vergeben. Ich sehe das als die einzige Hoffnung und den einzigen Weg, um wirklich frei zu werden. Wir schwingen nicht grosse Statements, sondern leben, was wir glauben.

Bei meiner Hochzeit war Taysir Zeuge. Unsere Familien sind gut miteinander bekannt. Wir verbringen viel Zeit zusammen. Es ist wirklich so: Früher hatten wir aus Verletzung aufbegehrt. Aber Jesus hat Liebe in unsere Herzen gegeben. Er hat uns freigemacht vom Zorm.

Taysir: Ja, Jesus hat uns freigemacht. Ein Hass hatte unsere Herzen im Griff, und wir konnten beim andern nur die Fehler sehen. Aber wir alle haben Fehler, und wenn Jesus kommt und einen davon befreit, dann bekommt man einen Blick für das Gute bei sich selbst und auch beim andern. So kann man langsam hineinwachsen in Liebe und Vergebung.

Der Staat Israel macht den Palästinensern gegenüber vieles falsch, und ich sehe auch viele Fehler bei den Palästinensern. Aber wenn ich mit einem Juden spreche, dann schaue ich darüber hinweg. Ich will ja Gott verherrlichen. Er kommt an erster Stelle, nicht das Land.

Betrachten euch viele als Flamme der Hoffnung?
Moran: Wäre gut. Im Juli kommt ein ganz eindrücklicher Dokumentationsfilm heraus. Nicht über Moran und mich, sondern über andere israelische und palästinensische Gläubige. Man wird dann sehen, dass im geistlichen Bereich eine Menge geschieht. CNN will immer Blut und Tote zeigen. Nicht Jesus. Aber Jesus zeigt sich selbst, durch die Arbeit der Gläubigen.

Und Mel Gibson hilft da ein wenig nach...
Taysir: ...Ohhhh, ich liebe diesen Film.

Moran:
Wir waren einmal zusammen in einem Radiointerview. Der Reporter wollte vor allem wissen, wie viele Menschen wir früher umgebracht hätten und all die blutige Geschichten. Aber auf diese Weise provozieren die Medien nur noch mehr Blut auf der Strasse.

Wir sprechen nur von einem Blut: dem von Jesus Christus, das er für unsere Sünden hat fliessen lassen. Ich bete, dass die Menschen nicht einfach uns beide als Hoffnung betrachten. Denn es ist wegen Jesus und dem, was er in unseren Herzen getan hat. Wir beten, dass mehr und mehr Menschen das erkennen. Nur wenn sie auf Gott schauen, können sie die Hoffnung sehen. Dort haben auch wir die Hoffnung gefunden, die uns erfüllt.

Als Visitenkarten Gottes?
Taysir: Wir beten, dass wir seine Visitenkarte sein können. Bei Jesaja gibt es eine Prophezeiung, dass Gott eine Strasse von Ägypten nach Assyrien bauen wird. Sie führt durch Israel, Syrien und den Irak. Und es steht dort, dass man ihn lobpreisen wird, auch die Palästinenser und Jordanier. Ich kann mir das gut vorstellen, nämlich sobald wir den einen gleichen Herrn anbeten.

Weitere Artikel zum Thema:

Teil 1: «Nur ein toter Araber ist ein guter Araber!»
Teil 2: «Sieben meiner Freunde wurden ermordet!»
Teil 4: Schulter an Schulter mit dem früheren Feind
Teil 5: Ein PLO-Scharfschütze wird Gottes Visitenkarte
Teil 6: «Liebet eure Feinde»

Moran Rosenblit im Internet: www.hope4israel.org
Taysir Abu Saada im Internet: www.hopeforishmael.org
Hilfsaktion Märtyrerkirche (CH-Ansprechpartner der beiden): www.hmk-aem.ch

Datum: 14.05.2004
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet.ch

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