Erlebt

Wenn nur die Hoffnung bleibt!

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Franziska Enderli: Gott schenkt uns alles, was man sich von Herzen wünscht.
Nie werde ich die Lektion vergessen, die mich lehrte, nie aufzugeben - in der Zeit unserer Trennung. In diesem Dunkel meiner damaligen Nacht gab es ein Licht - eine Hoffnung. Trotz Enttäuschungen klammerte ich mich an diese eine Hoffnung. Und das Wunder geschah...

Die Kinder kamen vom Wochenende mit ihrem Vater zurück. Sie kamen voller Freude nach Hause und erzählten von den tollen Erlebnissen. Die Begeisterung des Ältesten hielt sich hingegen in Grenzen, worüber ich später am Bett mit ihm sprach. Unsere Situation belastete ihn sehr. Aber seine Augen fingen an zu leuchten, als er mir anvertraute, Papa hätte im Thermalbad gesagt: «Hier werde ich einmal mit Mami alleine hingehen.» Ich werde mich immer an diesen unvergesslichen Moment erinnern, denn für mich war es wie ein aufleuchtender Stern im Dunkel meiner damaligen Nacht.

Trotz Enttäuschung hoffen

Drei Jahre später, sogar im gleichen Monat – wir waren wieder als Familie vereint – begegnete ich einer Kollegin, und sie lud mich spontan ins Thermalbad ein. Ein Stich ging mir durchs Herz.

In der Zwischenzeit hatte ich so oft Momente der Traurigkeit; ich war mir bewusst, dass der damalige Vorsatz meines Mannes wohl längst vergessen war. Schliesslich gab ich die Hoffnung auf. Wieder einmal war es ein leeres Versprechen, so dachte ich. Aber die plötzliche Konfrontation mit der inzwischen begrabenen Enttäuschung weckte die Gedanken wieder auf. Ohne zu überlegen, rutschte mir die Antwort heraus: «Nein, lieber nicht.» Man sollte die Hoffnung nie aufgeben... vielleicht eines Tages doch noch! Gleichzeitig wies ich mich innerlich selbst zurecht: «Fort mit diesen Erwartungen, das sollte ich doch nun wirklich gelernt haben!»

An diesem Abend ging ich nach einer Zwistigkeit mit meinem Mann frustriert ins Bett. Der Morgen begann dementsprechend. Wir verabschiedeten uns, und ich blieb nach einer zusätzlich lieblosen Bemerkung alleine zurück. Das Fass der Verletzungen war wieder einmal voll! Heulend flüchtete ich ins Schlafzimmer und verschanzte mich unter der Bettdecke. Ich warf mein ganzes Elend meinem Heiland hin, machte ihm gleichzeitig Vorwürfe, dass er mich so leiden liess. So wollte ich nicht mehr weiter machen. «Immer ich muss einstecken» etc. etc. Inmitten dieses Stöhnens kam mir eine Aussage in den Sinn: «Selbstmitleid ist Egoismus.» Auch das noch! Ich wälzte meine Gedanken zwischen Ablehnung und Einsicht, bis ich mit viel Überwindung begann, Gott um Vergebung zu bitten. – Es wurde eine halbe Stunde der Ernüchterung!

Ein Wunder geschah...

Dann aber änderte sich mein Gemütszustand erstaunlich schnell. Mit neuem Mut machte ich mich frisch und begab mich in die Küche für eine Kaffeepause. Ich traute meinen Augen nicht; auf dem Tisch lag ein kleiner Briefumschlag. Mein Herz schlug höher. Was konnte es sein? Weitere Vorwürfe? Eine Entschuldigung? Ein Vorschlag zur Klärung des Vorgefallenen? Es haute mich aus den Socken (ich kann es nicht anders sagen): «GUTSCHEIN FÜR EINEN BESUCH IM THERMALBAD AM KOMMENDEN SAMSTAG – MIT DIR ALLEIN.»

Ich wusste nicht, wie mir geschah. Ich meinte zu träumen. Doch dann tanzte ich durch die Küche. Ich jubelte, ich weinte, ich lachte. Ich war ausser Rand und Band und dankte Gott. Nach all dem rief ich meinen Mann an, um ihn an meiner Freude teilhaben zu lassen. Ich wollte auch unbedingt erfahren, wie er auf die Idee gekommen war; er konnte nicht wissen, was unser Sohn mir damals erzählte und wie sehr ich dies ersehnt hatte. Er hätte gestern im Auto plötzlich diesen Gedanken gehabt.

So einfach. War das Gott, der zu ihm geredet hatte, noch bevor ich es ihm überhaupt zutraute? In meiner Freude schämte ich mich gleichzeitig für meinen Kleinglauben. Wie wunderbar, dass Gott uns immer wieder bestätigt: «Freue dich über den Herrn; er wird dir alles geben, was du dir von Herzen wünschst.» Psalm 37,4

Dossier: www.depression.jesus.ch

Datum: 20.04.2004
Quelle: Reflexionen

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