Verzweifelt

Nicht allein in der Welt

Vor einigen Monaten stolperte ein Mann durch Jerusalems Strassen. Tony* sah keinen Ausweg mehr. Wozu sollte er noch leben? Er war abgestürzt, sein Leben machte keinen Sinn. Tony war verzweifelt.

Er erinnerte sich an die glücklichen Zeiten: In einer High-Tech-Firma hatte er eine gute Stelle. Seine Frau, eine Juristin, verfolgte ihre Karriere, und sie hatten eine wunderhübsche kleine Tochter. Aber dann rutschte seine Branche in die Rezession, und Tony verlor die Stelle. Seine Frau liess sich von ihm scheiden, und bald war er mittellos. Schliesslich hauste er am Strand bei Tel Aviv. Eine Stelle zu finden, war bei dem wirtschaftlichen Einbruch infolge der Intifada fast unmöglich.

Da vernahm er, dass in Jerusalem ein Restaurant aufging. Die Chance! Tony erhielt die Stelle als Geschäftsführer, doch wurde ihm vor der Öffnung des Lokals kein Lohn bezahlt. Tony war schwerer Diabetiker; nun konnte er die Medikamente nicht mehr bezahlen. Ein unentwirrbares Netz von Problemen, die unlösbar schienen. Tony stand am Abgrund.

Haus des Gebets

Er ging durch die Stadt. Da fiel sein Blick auf ein Schild. ‚Haus des Gebets für alle Völker‘ stand darauf in Englisch und Ivrit. Tony trat durch das Tor und suchte den Eingang ins Haus. Er fand eine Tür und drückte alle Klingeln. Eine junge Frau, die als Volontärin im Haus arbeitete, öffnete ihm auf seine Bitte, mit jemand zu sprechen, die Tür – gegen jede Weisung.

Tony traf im Korridor eine Frau namens Chris und sagte ihr, er habe ein Gespräch mit ihr vereinbart. Chris war perplex. Doch sie liess sich auf eine Unterhaltung ein. Tony erzählte seine Geschichte, und Chris und ihr Mann Ofer entschlossen sich, Tony zu helfen. Sie gaben ihm etwas Geld, und zwei Tage später war er wieder da. Ofer und Chris vermittelten ihm Gelegenheitsarbeiten, und er begann die Gottesdienste am Schabbat zu besuchen.

Schmerzen verschwunden

Einige Monate später traf er Ofer zu einem Gespräch und erzählte ihm, dass er aufgehört hatte, die Medikamente zu nehmen. Die Schmerzen, die er seit Jahren verspürt hatte, waren verschwunden. Und nun hatte ihm der Arzt gesagt, dass die Insulinwerte im Blut plötzlich normal waren! „Tony, der Herr hat dich geheilt!“ rief Ofer aus. „Ich verstehe es nicht“, sagte Tony. „Doch, dein Körper produziert wieder Insulin“, sagte Ofer.

Tony hatte wegen seiner schwierigen Kindheit ein grosses Problem: Dass Gott ihm seine Gunst schenken könnte, ging ihm nicht in den Kopf. „Ich verdiene es nicht“, sagte er immer wieder, und Ofer stimmte ihm bei: „Ja, du begreifst es nicht, ich nicht, niemand kann es verstehen.“ Weitere Tests bestätigten, dass der Diabetes verschwunden war.

Wiedersehen mit der Mutter

Tony war ein Adoptivkind, in einem anderen Land aufgewachsen und erst später nach Israel eingewandert und zum Judentum konvertiert. Nach beinahe zwanzig Jahren Funkstille nahm er den Kontakt zu seinen Adoptiveltern auf. Die Mutter und sein ebenfalls adoptierter Bruder waren hocherfreut. Sie planten eine Reise nach Israel.

Einige Wochen später sagte ihm die Adoptivmutter am Telefon, dass er das Sozialamt anrufen sollte. Die biologische Mutter habe sich nach ihm erkundigt. Mit Tränen in den Augen erzählte Tony Ofer davon. Kurz darauf rief er seine Mutter an, die ihn kurz nach der Geburt freigegeben hatte. Sie erzählte ihm, dass sie jahrelang vergeblich versucht hatte, ihn ausfindig zu machen. Eine Gesetzesänderung hatte ihr endlich ermöglicht, an die Information zu gelangen. Im März wolle sie mit ihrer Tochter nach Israel kommen, sagte sie Tony am Telefon...

Ofer schliesst den Bericht mit dem Hinweis, dass Tony noch nicht damit zurecht kommt, dass er eine ganze Familie hat.

*Name geändert


Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet.ch

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